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Fr., 23.09.2016

Gifty Wiafes „Das liegt im Blut!?“ Abgenagte Knochen im Staub

Gifty Wiafe kennt Ghana und Deutschland. Mit Humor hält sie beiden Gesellschaften den Spiegel vor

Gifty Wiafe kennt Ghana und Deutschland. Mit Humor hält sie beiden Gesellschaften den Spiegel vor Foto: Ralf Emmerich

Münster - 

„Sein oder Nichtsein“, tönt es aus der bunten Kunststofftasche. Dann tasten sich vorsichtig Finger hervor und ein schwarzer Wuschelkopf taucht auf. Mit großen Augen blickt Gifty Wiafe in die Welt. Glück gehabt, dieses Mädchen darf leben. Schließlich sei sie quasi eine Fehlgeburt, im wahrsten Sinne des Wortes „über-tragen“. Zur Abtreibung sei es damals nämlich schon zu spät gewesen . . .

Von Isabell Steinböck

Harte Worte, die diese junge Schauspielerin mit einem Lächeln interpretiert. So verspielt und fröhlich sich die Darstellerin gibt, ihre Performance „Das liegt im Blut!?“, die unter der Regie von Barbara Kemmler (Cactus Junges Theater) im Pumpenhaus Premiere feierte, hat es in sich. Schließlich gilt es, Missstände aufzudecken und Klischees aus der Welt zu räumen, die dem Einzelnen allzu oft das Leben schwer machen, wenn Kulturen aufeinander treffen, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Gifty Wiafe ist Expertin auf diesem Gebiet. In Ghana geboren und als Schülerin nach Deutschland ausgewandert, bringt sie ausreichend Erfahrung mit, um dem Kulturen-Clash mit humorvollem Augenzwinkern zu begegnen. In kabarettistischer Manier (Text: Petra Kindler) hält sie beiden Gesellschaften den Spiegel vor, wenn sie die Versicherungs-Lust der Deutschen aufs Korn nimmt, die weit im voraus planen und meinen, in Afrika werfe man zur Heilung „abgenagte Hühnerknochen“ in den Staub. Oder wenn sie das Klischee zitiert, (nur) Singen und Tanzen liege afrikanischen Mädchen „im Blut“. Im Gegenzug sei Afrikanern schwer beizubringen, dass Geld in Deutschland nicht auf der Straße liegt. Ganz zu schweigen von weiblicher Emanzipation – ein lange gehegter Traum.

In einer Mischung aus persönlichen und politischen Statements thematisiert das Solo diverse Problemfelder, sei es die wirtschaftliche Ausbeutung der Dritten durch die Erste Welt, Kinderarbeit oder abstruse Schönheitsideale. In künstlerischer Kooperation mit dem „Tete Adehyemma Dance Theatre“ (Ghana) inszeniert Barbara Kemmler den schweren Stoff auf bewährt unterhaltsame, mitunter selbstironische Weise. Henry Nyadiahs Bühne aus farbigen Stellwänden und bunten Stoffen lässt etwas von der Exotik Afrikas erahnen, ebenso wie traditionelle Tänze und Musik (Frank Sam), die Wiafe überzeugend auf die Bühne bringt.

Die 22-Jährige erweist sich eine gute Stunde lang als wahres Energiebündel. Mit bezwingender Leichtigkeit und Optimismus verweist sie jeden Einzelnen auf sich selbst, macht Mut, Ideale zu verfolgen. Am Ende bekam sie dafür großen Applaus.

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