Do., 22.09.2016

Vortrag über Christentum und Islam Zwischen Abbild und Knecht Gottes

Walter Happel SJ (r.) wurde von Dr. Ulrich Müller im Zwei-Löwen-Klub begrüßt.

Walter Happel SJ (r.) wurde von Dr. Ulrich Müller im Zwei-Löwen-Klub begrüßt. Foto: con

Münster - 

Groß war das Interesse am Vortrag von Walter Happel SJ über Christentum und Islam am Dienstagabend. Auf Einladung von Dr. Ulrich Müller von der CDU-Ortsunion Münster-Süd sprach der Jesuitenpater im Zwei-Löwen-Klub über „Zwei Glaubensbekenntnisse und die Konsequenzen“.

Von Maria Conlan

Erfahrungen mit Muslimen sammelte der Oelder Jesuit vor allem bei seinem zwölfjährigen Aufenthalt im Kosovo, wo Katholiken 2,3 Prozent der mehrheitlich muslimischen Bevölkerung ausmachten. Hier gründete Happel ein Gymnasium mit geschlechterparitätischer Schülerschaft, die 90 Prozent muslimisch war. Die Kinder lebten durch Schule und Internat in zwei Welten und Kulturen. „Der Islam kennt kein Individuum – bei uns steht im Mittelpunkt der Einzelne“, benannte Happel einen gravierenden Unterschied. „Die Schule kannte keine Tabus, alles war wert, erfragt und erforscht zu werden“, berichtete er.

„Ich habe großartige Erfahrungen mit Muslimen gemacht“, schickte Happel voraus. Er wies auf die Vielfalt muslimischer und christlicher Glaubensrichtungen hin. Grundlegend für alle sei jedoch das jeweilige Glaubensbekenntnis. Muslime bekennen: „Es gibt keinen Gott außer Allah“. Fürs Christentum gilt der Glaube an den allmächtigen Schöpfergott. Der Mensch sei Abbild Gottes. Daraus ergäbe sich eine unverdienbare und unverlierbare Würde des Menschen.

Aus dem dynamischen Weltbild der Bibel stamme das westliche Freiheitsverständnis und der Aufruf zum eigenverantwortlichen Handeln. Innovation, Kreativität, Neugierde seien Grundlagen für Forschung und Wissenschaft.

Im Koran hingegen sei Gott der Schöpfer, der Mensch jedoch nicht nach seinem Bild geschaffen. „Muslim“ bedeute dem Wortsinn nach: „Gott als Knecht zugewandt sein“. Das starke religiöse Selbstbewusstsein basiere auf Sure 3, Vers 110: „Ihr seid die beste Gemeinschaft, die unter Menschen entstanden ist.“ Happel folgerte daraus, es gäbe von anderen Kulturen nichts zu lernen. Das höchste Lernen sei das Auswendiglernen des Korans. Kritisches Hinterfragen, könne (lebens-)gefährlich werden. Mögen sich islamische Länder wissenschaftlich und wirtschaftlich dem Westen unterlegen fühlen, moralisch fühlten sie sich überlegen, so Happels Erfahrung.

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