Fr., 23.09.2016

Roland Jankowsky las kriminelle Kurzgeschichten Mordsmäßiger Spaß grotesk und spannend

Roland Jankowsky sorgte für humorvollen Grusel im Schlosstheater.

Roland Jankowsky sorgte für humorvollen Grusel im Schlosstheater. Foto: Isabell Steinböck

Münster - 

Überraschende Wendungen, groteske Situationen und Wortwitz kennzeichnen die Kurzkrimis, die Jankowsky, der als „Dirty Harry“ selbst gern mal ins Fettnäpfchen tappt, im voll besetzten Schlosstheater mit fein modulierter Stimme ausdrucksstark vertonte.

Von Isabell Steinböck

„Das tut weh!“, sagt der Sprecher nachdrücklich und blickt empört ins Publikum. Roland Jankowsky, Kommissar Overbeck der TV-Reihe „Wilsberg“, ist ganz Schauspieler, wenn er dem Protagonisten in Erika Kroells launiger Kurzgeschichte („Nordeifel. Mordeifel“) seine Stimme leiht. Sebastian hat genug davon, das „Schnäuzelchen“ von Gattin Doris zu sein. Lieber begegnet er „Vulva“, von der er sich aufregende Sado-Maso-Abenteuer verspricht. Nachts, im Möbelhaus seines Arbeitgebers, wollen sie sich treffen, dabei hat Sebastian von Peitsche und Latex gar keine Ahnung. Doch es kommt noch schlimmer . . .

Überraschende Wendungen, groteske Situationen und Wortwitz kennzeichnen die Kurzkrimis, die Jankowsky, der als „Dirty Harry“ selbst gern mal ins Fettnäpfchen tappt, im voll besetzten Schlosstheater mit fein modulierter Stimme ausdrucksstark vertonte. Im Zentrum der kurzweiligen Lesereihe „Wenn Overbeck kommt . . .“ stehen allesamt Anti-Helden. Etwa Rolf Perleberg, Sachbearbeiter und „Trottel von Gatte“, der in Jan Schröters „Familientherapie“ („Chillen, killen, campen“) der „Heimathölle“ entflieht, wenn er sich in seiner Versicherung bis zum Burn-Out arbeitet. Ein Campingurlaub soll Erholung bringen und macht tatsächlich einen neuen Menschen aus ihm. Aber was für einen . . .

Auf skurrile Weise martialisch wirkt ebenfalls „Das Manuskript“ von Niklas Schmid („Lies oder stirb“). Ein Möchtegern-Schriftsteller bricht in die Wohnung eines erfolgreichen Krimiautors ein, bringt ihn um, stiehlt und veröffentlicht dessen Manuskripte. Was er nicht weiß: Die Arbeit beruht auf präziser Recherche. Die Mafiosi finden das gar nicht lustig.

Realsatire birgt die letzte Story des gut zweistündigen Abends, „Chaos im Keller“ von Klaus Stickelbroeck („Suche Trödel, finde Leiche“). Klaus kann nichts wegwerfen. Im Keller lagern „Schätze“, die von Onkel Erwins Beinprothese über Mutters alte „Burdas“ (mit Schnittmustern!) bis zu Helmut Schmidts historischem Aschenbecher reichen. Als Ehefrau Sabine den „Pröll“ beseitigen will, geht es ihr an den Kragen. Ein Groteske, die erneut beweist: Krimi und Komödie passen einfach gut zusammen.

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