Mi., 28.09.2016

Textildiscounter Primark kommt nach Münster

Textildiscounter : Primark kommt nach Münster

Bei der Eröffnung der Primark-Filiale auf dem Alexanderplatz in Berlin standen die Kunden 2014 Schlange. Foto: dpa

Münster - 

Lange wurde spekuliert, jetzt ist es offiziell: Der Textildiscounter Primark wird eine Filiale in Münster eröffnen.

Von Jan Hullmann mit dpa

Der Textildiscounter Primark setzt weiter auf Expansion in Deutschland . Vor der Eröffnung der bundesweit 21. Filiale in Mannheim, gab Primarks Deutschlandchef Wolfgang Krogmann am Donnerstag bekannt, dass auch für Münster ein Vertrag abgeschlossen worden sei.

Wo die Filiale in Münster sein soll, verrät das Unternehmen noch nicht. Im Gespräch war bislang das ehemalige Sinn-Leffers-Gebäude an der Salzstraße. Dort stand früher eine Verkaufsfläche von 7000 Quadratmetern zur Verfügung. Die Firma Redevco in Düsseldorf, die die Immobilie vermarktet, verrät nicht, wer der künftige Mieter wird. Man habe mit dem Vertragspartner vereinbart, dass dieser die Kommunikation übernehme, heißt es auf Nachfrage.

Auch bei der Frage nach dem Zeitpunkt der geplanten Eröffnung hält sich das Unternehmen bedeckt.

Fotostrecke: Abriss von Sinn Leffers: Tiefe Baugrube an der Salzstraße

Klassische Modehäuser halten Konkurrenz nicht stand

T-Shirts für 2,50 Euro, Jeans für 10 Euro - für solche Produkte scheint es einen großen Markt zu geben. Während die Zeichen im Niedrigpreissektor auf Expansion stehen, stehen die klassischen Modehäuser stark unter Druck. Nach dem Herrenmode-Filialisten Pohland und der Textilkette Wöhrl musste zuletzt auch SinnLeffers Insolvenz in Eigenverwaltung beantragen. „Es gibt Wettbewerb, aber das gilt für uns genauso“, sagte Krogmann. „Ich halte Wettbewerb auch für nichts Schlechtes, sondern für etwas Gesundes. Er bringt jede Firma dazu, darüber nachzudenken, ob sie für ihren jeweiligen Kunden noch alles richtig macht.“

Textil-Pleiten

Nach Schätzungen des Bundesverbandes des deutschen Textilhandels (BTE) hat sich die Zahl der selbstständigen Textilhändler seit der Jahrtausendwende fast halbiert - von damals mehr als 35.000 auf derzeit rund 18.000 Unternehmen.

Primark jedenfalls expandiert weiter. Neben dem Standort in Münster sind neue Filialen in Bonn, Wuppertal, Ingolstadt und Hamburg geplant. „Es gibt keine definierte Zielmarke, wie viele Stores wir in Deutschland eröffnen wollen. Ziel ist es, ein gesundes Wachstum zu erreichen und die richtigen Standorte zu finden“, sagt Krogmann. Die Schlangen an den Primark-Kassen zeigten, dass das Filialnetz in einigen Bereichen bislang noch nicht sehr eng gewesen sei. „Aber jetzt mit zunehmender Dichte wird sich das entzerren.“ Die nächsten Filialen in Münsters Umgebung sind in Enschede, Essen, Dortmund und Gelsenkirchen.

Umstrittener Billig-Anbieter

Mit Primark werden auch heftige Diskussionen nach Münster kommen. Kaum ein Textilhändler polarisiert wohl so stark wie die irische Kette. Bei vielen Jugendlichen genießt Primark regelrecht Kultstatus. Bei früheren Eröffnungen von Primark-Filialen gab es teilweise tumultartige Zustände, so groß war der Andrang. Genau so enthusiastisch wird der Discounter von seinen Gegnern abgelehnt, wie die Reaktionen auf unsere bisherige Berichterstattung zu dem Thema zeigen. „Billigramsch kann keine Bereicherung für Münster sein“, kommentierte etwa Ute Wensing bei Facebook. Sibylle Buhlmann fragte: „Warum tut sich Münster das an?“

Kritik von Menschenrechtlern

Die Arbeitsbedingungen bei Primark sind umstritten. 2014 sorgten in Primark-Kleidung eingenähte Hilferufe von vermeintlich ausgebeuteten Arbeitern für Aufsehen. Sie entpuppten sich als Kampagne von Menschenrechtlern. Zahlreiche Menschen, die 2013 beim Zusammensturz des Fabrikgebäudes Rana Plaza in Bangladesch ums Leben kamen, arbeiteten für Primark. Das Unternehmen zahlte daraufhin den von dem Unglück Betroffenen oder deren Angehörigen nach eigenen Angaben rund 14 Millionen Dollar Entschädigung. 

Primark selbst bemüht sich sichtlich, sein Image zu verbessern. Auf seiner Homepage berichtet das Unternehmen ausführlich über seine ethischen Grundlagen. So seien die Preise so niedrig, weil man keine Werbekampagnen schalte und Großaufträge erteile. Kinderarbeit sei verboten, jede einzelne Fabrik werde – auch baulich – überprüft. Bei der Verwendung von Chemikalien halte man die EU-Gesetze ein. Primark hofft, so die Kritik an seinen Geschäftspraktiken zu entkräften.

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