So., 16.10.2016

Tanz-Performance im Pumpenhaus Höllentanz mit Bierflasche

Es scheint nicht gut bestellt zu sein um den nordamerikanischen Mann von heute. Das lässt jedenfalls diese Szene im Tanztheater vermuten.

Es scheint nicht gut bestellt zu sein um den nordamerikanischen Mann von heute. Das lässt jedenfalls diese Szene im Tanztheater vermuten. Foto: Juan Saez

Münster - 

Cowboystiefel, Baseballkappen und Musikinstrumente: Damit war die Bühne im Theater im Pumpenhaus zu Beginn des „Höllentanzes“ ausgestattet – und dazu kamen noch acht akribisch aufgestellte Bierflaschen. „All Hell is Breaking Loose, Honey“ hieß das Stück, das der Kanadier Frédérick Gravel mit seinen Tänzern Nicolas Cantin, Dany Desjardins und dem Sänger und Musiker Tomas Furey am Samstagabend in Münster präsentierte.

Von Maria Conlan

Die Aufführung begann mit vier Männern in Cowboystiefeln , Slip, T-Shirt, mit Baseballkappe und Sonnenbrille – ein Zeitlupen-Biertrink-Tanz wie eine absurde Bierwerbung oder doch überzogenes Machogehabe?

Nein, es war ein Stück vom Scheitern, von Männer-Klischees und Identifikation. Diese sei schon mit fünf Jahren abgeschlossen, erklärte Gravel vorweg am Mikro. Auch dies ein Novum: Erklärung zum Stück vorweg, kurze einleitende Worte zwischendurch – und immer wieder Live- Musik verschiedenster Facetten. Welch Vielseitigkeit!

Der Choreograf tanzte nicht nur mit, sondern kroch auf auch allen Vieren, um den Bühnenboden von Bierspritzern zu trocknen, unterstützt von seinen Mittänzern. Auch das ein Teil des Stücks, wie der Griff zum Mikro, zur E-Gitarre und zur Mundharmonika. Das Musikspektrum reichte von Westernklängen über Pop, hartem Elektroniksound und seichten Popmelodien, sehnsuchtsvollen Liebesliedern und Barockmusik, ausgerechnet zu einem Pole-Dance-Stück. Im Nachhinein gab Gravel dafür noch eine „Nackt-Warnung“, doch Tänzer Dany Desjardins trug immerhin noch Cowboystiefel und eine weiße Lockenperücke.

Tanzbilder mit kraftvollen Bewegungen, oft minimal, athletisch, wie in Zeitlupe – dann wieder humorvoll; mal sehnsuchtsvoll, mal unsicher, mal aggressiv. Das Tanz-Performance-Stück endete mit Hemd und Krawatte. Die Akteure kämpften gegen eine unsichtbare Macht – oder den alltäglichen Wahnsinn? Er warf sie zurück, ließ sie straucheln, raubte ihnen die Kraft. Schließlich endete es im Dunkeln mit Gitarrenklängen und Mundharmonika. Wo ist die Hölle los – im Alltag, im aggressiven Miteinander, im aberwitzigen animalischen Rollenspiel von Macho-Gehabe oder einsamer Suche? Das Stück war komisch, bedrückend und beeindruckend.

Das Publikum honorierte den ausdrucksstarken Abend mit anhaltendem Applaus, Bravorufen und Standing Ovations. Zum ersten Mal traten die Compagnie Frédérick Gravel und Band in Münster auf. Es schreit nach Wiederholung.



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