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Mo., 17.10.2016

Neurochirurgen entfernten Engstelle an Wirbelsäule UKM-Mediziner operieren Orang-Utan aus dem Zoo

 Dr. Thomas Fortmann und Prof. Dr. Walter Stummer bereiten die Operation an Borneo-Orang-Utan-Dame Sari im Allwetterzoo Münster vor

 Dr. Thomas Fortmann und Prof. Dr. Walter Stummer bereiten die Operation an Borneo-Orang-Utan-Dame Sari im Allwetterzoo Münster vor Foto: UKM

Münster - 

Diese „Patientin“ werden die Mediziner so schnell nicht vergessen: Neurochirurgen des UKM operierten einen Orang-Utan aus dem Allwetterzoo. „Sari“ hat den Eingriff gut überstanden. Sie lebt wieder mit ihren Artgenossen.

Diese „Patientin“ werden die Mediziner des UKM (Universitätsklinikum Münster) so schnell nicht vergessen: Im April des Jahres operierten Prof. Dr. Walter Stummer, Direktor der Klinik für Neurochirurgie, und sein Team im Allwetterzoo Münster die Borneo-Orang-Utan-Dame Sari, die an einer Querschnittslähmung litt. Wie sich nun ein halbes Jahr nach dem Eingriff herausstellt, hat sich das Tier bestens erholt und kann bereits wieder im direkten Kontakt zu seinen Artgenossen leben.

„Einen Affen zu operieren bringt natürlich spezielle Herausforderungen mit sich, auf die wir in der Humanmedizin sonst nicht treffen“, erklärt Prof. Stummer. Im ungewohnten OP-Umfeld des Allwetterzoo entfernte der Neurochirurg in Zusammenarbeit mit Carsten Ludwig, Zootierarzt des Allwetterzoo, eine Engstelle an der Wirbelsäule, die für Saris Erkrankung ursächlich war. Die entscheidende Röntgenuntersuchung wurde von Dr. Thomas Niederstadt, Oberarzt am Institut für Klinische Radiologie, durchgeführt, der die Ursache der Querschnittslähmung bei Sari darstellen konnte. „Wir sind glücklich, dass wir trotz der sehr unterschiedlichen medizinischen Disziplinen, in denen wir sonst arbeiten, dem Tier helfen konnten“, so Stummer weiter. Das UKM-Team hatte dem Allwetterzoo in seiner Freizeit ausgeholfen. Die Kosten wurden vom münsterischen Zoo getragen, heißt schreibt das Universitätsklinikum in einer Mitteilung.

Den Pflegern des Allwetterzoo war im Frühjahr aufgefallen, dass sich die ansonsten agilere Sari nur noch schwerfällig bewegte und sie ihre Beine nicht mehr vollständig belasten konnte. Untersuchungen eingezogener Ärzte des Instituts für Radiologie des UKM ergaben, dass die 46-jährige Orang-Utan-Oma (Orang-Utans haben in menschlicher Obhut eine Lebenserwartung von ca. 50 Jahren) an einer Querschnittslähmung erkrankt war. Rund zwei Monate lebte der Menschenaffe nach der Operation getrennt von seinen Artgenossen, um die Gesundung nicht zu gefährden. „Saris Gesundheit hat in den vergangenen Wochen stetig Fortschritte gemacht, sodass wir den Kontakt zu den anderen Tieren schrittweise und wohldosiert wieder erhöht haben“, freut sich Zootierarzt Ludwig. Für Stummer und sein Team war es der zweite Kontakt zur Veterinärmedizin: Vor fünf Jahren hatte er bereits eine erfolgreiche Hirnoperation an einem Islandpferd durchgeführt und so dessen epileptisches Anfallsleiden beseitigt.



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