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Fr., 14.10.2016

Preußens Kurswechsel überrascht Politik Neues Stadion: Strässers schwierige Mission

Münster - 

Der neue Preußen-Präsident Christoph Strässer will zeitnah Gespräche mit allen Ratsfraktionen über die neuen Stadionpläne führen. Ziel sei es, Ende des Jahres eine Perspektive zu haben. Die Politik zeigt sich überrascht vom Kurswechsel der Preußen, ein neues Stadion bauen zu wollen. 

Von Ralf Repöhler

Die kurzfristigen Zukunftspläne der neuen Führungsmannschaft des Fußball-Drittligisten SC Preußen Münster sind ehrgeizig: Bau eines neuen Stadions möglichst in Münster für 40 000 Zuschauer noch im Jahr 2018, Kostenschätzung rund 80 Millionen Euro. Präsidiumsmitglied Walther Seinsch räumt ein, dass die Finanzierung „keinesfalls geklärt“ sei. Die Stadt soll ein „geeignetes Grundstück“ zur Verfügung stellen, ansonsten aber sei sie „von der Finanzierung des Stadions freizuhalten“. Seinsch spricht von einem „Geschenk für die Stadt“.

Auf den neuen Preußen-Präsidenten Christoph Strässer („Ich will Türen in die Politik öffnen“) kommt es an, den Rat von den komplett neuen Bauplänen zu überzeugen – was angesichts der wenigen Fakten keine einfache Mission sein wird. „Ich werde schnell Gespräche mit allen Fraktionen führen, sodass wir noch in diesem Jahr eine klare Perspektive haben“, sagt er.

Münsters Politik reagiert überwiegend überrascht auf die „sehr weitreichenden Pläne, die sich deutlich von denen der alten Vereinsführung unterscheiden“, sagt SPD-Fraktionschef Dr. Michael Jung. Stefan Weber (CDU) spricht von einem „kompletten Kurswechsel“. Bislang sei eine Standortveränderung der Preußen vom städtischen Stadion an der Hammer Straße an die Nieberding­straße vom Verein abgelehnt worden. Zumindest Seinsch stellt die Nieberdingstraße als Standortoption auch weiterhin infrage. Wegen des fehlenden Bebauungsplanes und der vorhandenen Nutzung sieht er dort keine schnelle Handlungsfähigkeit.

Der Hintergrund ist noch ein anderer: Seinsch spricht von einem 22 Hektar großen Grundstück, das für den Stadion-Bau benötigt werde. Das optional vorgehaltene Areal an der Nieberdingstraße ist elf Hektar groß – also zu klein für die neuen Pläne.

Stadtdirektor Hartwig Schultheiß erinnert daran, dass die Nieberdingstraße ausschließlich für das Stadion eine Option sei. An bis zu 30 000 Plätze ist gedacht worden. Die Stellflächen seien überall im Umfeld vom Albersloher Weg bis zur Halle Münsterland zu finden.

Schultheiß, der sich immer wieder für den Ausbau des Stadions an der Hammer Straße eingesetzt hatte und dabei Ärger mit einzelnen Fraktionen nicht aus dem Weg gegangen war, ist überrascht über den „grundsätzlichen Strategiewechsel“ der Preußen mitten im Bebauungsplan-Verfahren für den Sportpark Berg Fidel. Rund 20 Millionen Euro sollten dort „im bisherigen Einvernehmen mit dem Verein“ investiert werden, um das Stadion mit gut 20 000 Plätzen mit überdachten Tribünen zweitligatauglich zu machen. Vorbild sei das Modell Freiburg: Der Sport-Club spielte selbst nach dem Aufstieg lange Zeit in der ersten Liga in seinem modernisierten Stadion. „Wenn man sich dann oben festgebissen hat, könnte man einen Neubau in Angriff nehmen. Das wäre aus meiner Sicht realistisch und das vernünftige Maß“, betont Schultheiß.

Grünen-Fraktionschef Otto Reiners erinnert daran, dass die Stadt in den letzten Jahren „kräftig in das bestehende Stadion investiert“ habe. „Allein für Haupttribüne und Rasenheizung hat sie sechs Millionen Euro in die Hand genommen“, sagt er.

Weber stellt die Frage, was aus dem laufenden Bebauungsplan-Verfahren zum Umbau des Stadions an der Hammer Straße werden solle, wenn die Preußen es nicht langfristig nutzen wollen. „Eine andere Nutzung der Fläche, etwa für den Wohnungsbau, ist grundsätzlich vorstellbar“, sagt er.



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