Mi., 19.10.2016

Mutter getötet – Sohn vor Gericht Prozessauftakt vor dem Landgericht: 57-jährigem Münsteraner droht Sicherungsverwahrung

Vor dem Landgericht in Münster muss sich seit Montag ein 57-jähriger Münsteraner verantworten (rechts im Bild seine Anwältin). Er soll seine Mutter getötet haben.

Vor dem Landgericht in Münster muss sich seit Montag ein 57-jähriger Münsteraner verantworten (rechts im Bild seine Anwältin). Er soll seine Mutter getötet haben. Foto: kal

Münster - 

Die Frau, die der Angeklagte getötet haben soll, nennt er nur „die Olle“. Die „Olle“ – das ist seine Mutter. Irgendwann zwischen dem 31. März und dem 13. April soll er die 88-Jährige getötet haben. Mindestens 15 Mal, so die Staatsanwaltschaft zu Prozessbeginn am Montag, hat der 57-Jährige mit einem Lampenschirm und einer vollen Flasche auf die Frau eingeschlagen, unter anderem auf den Kopf und den Oberkörper. Als sie den Verletzungen erlegen war, lebte der Angeklagte weiter, als ob nichts geschehen sei. Bis zum 13. April, als der Bruder zu Besuch kam und die bereits stark verweste Leiche entdeckte.

Von Martin Kalitschke

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Mann zur Tatzeit nicht schuldfähig war. Der Angeklagte leidet seit seiner Kindheit an epileptischen Anfällen, teilweise mit kurzen Bewusstseinspausen, weist Merkmale einer Psychose auf. Ihm droht daher im Falle einer Verurteilung nicht das Gefängnis, sondern eine Sicherungsverwahrung in der Psychiatrie.

Auf die Frage der Vorsitzenden Richterin, ob er sich an die Tat erinnere, antwortet der 57-Jährige: „Es ist komisch, dass man mir das vorwirft.“ Mit Verweis auf seine psychischen Erkrankungen beteuert er, sich an nichts erinnern zu können.

Ausführlich äußert er sich indes dazu, wie er mit seiner Mutter zusammenlebte. Der Angeklagte, der das Gymnasium besuchte und später Elektrotechnik studierte, wohnte zeitlebens bei seinen Eltern, zuletzt in St. Mauritz. Mehr als 30 Ärzte hätten ihn im Verlaufe seines Lebens behandelt, berichtet der 57-Jährige – doch seine Anfälle hätten sie nicht in den Griff bekommen. Daher setzte er verstärkt auf alternative Medizin, überzeugte seine Mutter, mit einem Pendel zu arbeiten. Und so pendelten die beiden fortan Kristallsteine aus, die er zur Linderung seiner Beschwerden an seinen Körper klebte. Auch Kräutertee-Sorten, die gegen Anfälle helfen sollen, wurden mit dem Pendel ermittelt. Das alles habe ihm „ein bisschen geholfen“, sagt er.

Bis zu ihrem Tod kümmerte sich die Mutter um das Haus, das Essen, die Einkäufe, den Garten. Der Sohn schaute TV und ging manchmal spazieren. Was zwischen Ende März und Mitte April im gemeinsamen Haus tatsächlich geschah, bleibt am ersten Verhandlungstag im Dunkeln. Man sei meistens gut ausgekommen, sagt der Angeklagte. Und so ist vorerst ungewiss, warum die 88-Jährige am 13. April, leblos auf dem Bauch liegend, auf dem Boden vor ihrem Bett aufgefunden wurde.

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. 

Mehr zum Thema



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4380115?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F