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Mi., 19.10.2016

Experten beraten über ÖPNV-Finanzierung Mit dem Erfolg wächst auch das Defizit

Zwischen Münster und dem Umland gibt es gewaltige Pendlerströme. Wie können die bewältigt werden, ohne das die Straßen voller werden.

Zwischen Münster und dem Umland gibt es gewaltige Pendlerströme. Wie können die bewältigt werden, ohne das die Straßen voller werden. Foto: IHK

Münster - 

André Pieperjohanns von der Westfälischen Verkehrsgesellschaft hat ein Problem, um das man ihn wahrlich bemitleiden kann: „Je erfolgreicher wir sind, desto größer das Defizit.“

Von Klaus Baumeister

Wie Pieperjohanns bei einer Veranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung am Dienstagabend in den Räumen der Industrie- und Handelskammer Nordwestfalen betonte, ist sein Unternehmen unter anderem dafür zuständig, dass möglichst viele Pendler per Regionalbus aus dem Umland nach Münster fahren und wieder zurück.

Das Problem dabei: Die Nachfrage konzentriere sich auf die Morgen- und die Nachmittagsstunden. Um die Spitzen abzudecken, „müssen wir Verstärkerbusse einsetzen“. Das kostet viel Geld.

Wie können die gewaltigen Pendlerströme zwischen Münster und dem Umland bewältigt werden, ohne dass die Straßen noch voller werden? Darum drehte sich die Debatte, wobei der FDP-Landtagsabgeordnete Thomas Nückel auch ein finanzielles Problem benannte: In Münster werde – wie in vielen anderen Kommunen – das Defizit dadurch aufgefangen, dass der ÖPNV bei den Stadtwerken angesiedelt sei und deshalb eine „Quersubventionierung“ stattfinde. Sprich: Mit den Erlösen aus dem Energiegeschäft wird der ÖPNV subventioniert. Angesichts einer sinkenden Gewinnspanne bei Gas und Strom werde dies aber zunehmend schwieriger.

Der Verkehrsplaner Michael Milde benannte für die Stadt Münster zwei aktuelle Strategien, um die Pendlerströme auch jenseits der großen Ausfallstraßen zu bewältigen. Zum einen das Konzept der Velorouten, das Berufstätige aus den Nachbargemeinden dazu ermuntern soll, per Pedelec nach Münster zu fahren. Zum anderen der Ausbau von Bahnhaltepunkten. Die Zuganbindung von Roxel sei ein Erfolg, so Milde, „auch der Bahnhaltepunkt Mecklenbeck muss kommen“.

In diesem Zusammenhang forderte André Pieperjohanns auch die Reaktivierung des Zugverkehrs auf der WLE-Trasse zwischen Sendenhorst und Münster. Erfahrungsgemäß übe eine bestehende Zugverbindung eine deutlich größere Magnetwirkung auf Umlandpendler aus als eine Busanbindung.

In diesem Zusammenhang wurde von einem Besucher der Veranstaltung bemängelt, dass es in Münster keine Stadtbahn gebe. Alle deutschen Städte mit gleicher oder höherer Einwohnerzahl hätten ein entsprechendes Angebot bei Straßenbahnen und/oder U-Bahnen. Die Verkehrsexperten widersprachen dem nicht, betonten aber zugleich den enorm hohen finanziellen Aufwand hierfür.



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