Mi., 19.10.2016

Gemeinsames lernen Inklusion – „so nicht“

Unterricht in einer Inklusions-Klasse am Schillergymnasium: Unter anderem hier werden Kinder mit Förderbedarf, meist im Bereich Lernen, zusammen mit den Kindern unterrichtet, die das Abitur anstreben. Drei weiterführende Schulen, die das „Gemeinsame Lernen“ nun dauerhaft praktizieren sollen, kritisieren die personelle und sächliche Ausstattung als unzureichend.

Unterricht in einer Inklusions-Klasse am Schillergymnasium: Unter anderem hier werden Kinder mit Förderbedarf, meist im Bereich Lernen, zusammen mit den Kindern unterrichtet, die das Abitur anstreben. Drei weiterführende Schulen, die das „Gemeinsame Lernen“ nun dauerhaft praktizieren sollen, kritisieren die personelle und sächliche Ausstattung als unzureichend. Foto: Oliver Werner

Münster - 

Kinder mit einer Behinderung haben einen Rechtsanspruch auf Unterricht in einer Regelschule. Plätze dafür werden gebraucht – aber es gibt Kritik an den Rahmenbedingungen. Jetzt sollen drei Schulen verpflichtet werden, dauerhaft "Gemeinsames Lernen" anzubieten – gegen deren ausdrückliches Votum.

Von Karin Völker

Das jeweilige Votum der Schulkonferenzen hilft nichts: An der Hauptschule Hiltrup sowie dem Annette- und dem Schlaun-Gymnasium soll das „Gemeinsame Lernen“ dauerhaft eingeführt worden. So steht es in einer Verwaltungsvorlage, über die der Schulausschuss in seiner Sitzung am kommenden Dienstag (25. Oktober) entscheiden soll.

An den drei Schulen war seit 2014/15 das „Gemeinsame Lernen“ von Kindern mit und ohne Behinderung befristet mehr oder weniger verordnet worden, ebenfalls bereits gegen die Beschlüsse der Schulkonferenzen.

Verwaltung will Inklusion als Dauerbetrieb festschreiben

Da aber die Nachfrage nach Schulplätzen von Kindern mit Förderbedarf in Regelschulen steigt und darauf ein Rechtsanspruch besteht, sieht die Verwaltung keine andere Möglichkeit, als die Inklusion an den genannten Schulen als Dauerbetrieb festzuschreiben. Die Schulaufsicht der Bezirksregierung habe formuliert, dass auf keine der jetzt arbeitenden Schulen des „Gemeinsamen Lernens“ verzichtet werden könne.

Zum Thema

Umfrage unter Lehrern: Note „mangelhaft“ für die Inklusion in NRW

Lehrer schütten ihr Herz aus: Es hakt gewaltig

Kommentar zu Problemen mit der Inklusion:  Notlösung statt Konzept

Zusätzliche Sonderpädagogen-Stellen, die die betroffenen Schulen vermissen, könnten nicht gewährt werden. Die münsterischen Schulen seien nach den Vorgaben des Ministeriums „bis zum Maximum“ aufgestellt, so die Stellungnahme der Schulaufsicht. Die Schulkonferenzen der Schulen müssen bei der Einführung des „Gemeinsamen Lernens“ zwar gehört werden, letztlich können Schulträger und Schulaufsicht sich aber über das Votum hinwegsetzen.

„Das ,Gemeinsame Lernen‘ ist unverantwortlich“

In der Erklärung des Schlaun-Gymnasiums heißt es, das „Gemeinsame Lernen“ sei unter den gegebenen Bedingungen „unverantwortlich“. Es gebe im fünften Jahrgang lediglich zwölf Stunden pro Woche Begleitung durch Förderlehrer. „So kann Inklusion nicht gelingen“, heißt es im vom Schulleiter gezeichneten Schreiben.

Das Annette-Gymnasium verweist auf den früheren Schulkonferenz-Beschluss und beantragt, das „Gemeinsame Lernen“ lediglich befristet durchzuführen, da sich an der Ausstattung nichts geändert habe. Beklagt wurde in der Schulkonferenz vor einem Jahr, dass die Schule weder genügend Räume noch Personal für den differenzierten Unterricht von Kindern mit und ohne Förderbedarf habe.

Die Hauptschule Hiltrup stellt in ihrem Konferenz-Beschluss klar, dass „Gemeinsames Lernen“ nur unter der Bedingung realisiert werden könne, „dass weitere personelle und sächliche Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.“

„Gemeinsames Lernen“

In Münster beteiligen sich neben den Grundschulen unbefristet bislang drei Gymnasien (Schiller-, Stein-, Geschwister-Scholl-Gymnasium), drei Realschulen (Gallitzin, Erna-de-Vries-, Gutenberg-Realschule), drei Hauptschulen (Hauptschule Wolbeck, Hauptschule Coerde, Waldschule Kinderhaus, sowie die Gesamtschulen Mitte und Ost, die Sekundarschule Rosel und die Primusschule am „Gemeinsamen Lernen“.

Dabei werden jeweils Plätze für Kinder mit Förderbedarf reserviert. Die Kinder werden „zieldifferent“ unterrichtet. Wer beispielsweise ein Gymnasium besucht, wird als Schüler mit Förderbedarf nicht zwingend zum Abitur geführt.

Eltern von Kindern mit einer Behinderung beziehungsweise einem festgestellten Förderbedarf haben einen gesetzlichen Anspruch darauf, ihr Kind an einer Regelschule unterrichten zu lassen.

Mehr zum Thema



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4380369?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F