Mo., 24.10.2016

Kinderuni zum Thema Ritter und Prinzessinnen Die Turniere des Mittelalters

Prof. Dr. Jan Keupp zaubert am Freitag ein mittelalterliches Ritterturnier in den großen Hörsaal.

Prof. Dr. Jan Keupp zaubert am Freitag ein mittelalterliches Ritterturnier in den großen Hörsaal. Foto: WWU

Münster - 

Tapfere Ritter, schöne Burgfräulein, edle Pferde – das sind die Zutaten des Mittelalters, die Kinder in jeder Generation aufs Neue begeistern. Besonders spannend: das Ritterturnier, bei dem die Krieger in Rüstungen mehr oder weniger zum Spaß aufeinander losgingen.

Von Karin Völker

Jan Keupp beschäftigt sich beruflich mit diesem Thema, der Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität Münster erforscht, was bei Ritterturnieren tatsächlich geschah. Am Freitag (28. Oktober) um 16.15 Uhr berichtet er im großen Hörsaal der Universität bei der Kinderuni von seiner Arbeit. Der Titel seiner Vorlesung lautet: „Ritter, Prinzessinnen und Pferde: Was geschah beim Turnier des Mittelalters ?“

Jan Keupp hat so etwas wie ein Lieblingsturnier – es fand im Jahr 1179 in der Nähe von Paris statt, in Lagny-sur-Marne, heute Standort des Disneylands. Einer von 3000 Rittern, die sich damals nur zum Spiel mit ihren Pferden eine Schlacht lieferten, war William Marshal , „in seiner Zeit so etwas wie der Messi der Turnierritter“, erzählt Jan Keupp. Er hat ausführliche und interessante Aufzeichnungen über das Turnier hinterlassen, für Historiker ist das eine wertvolle Quelle.

Ritterturniere waren in der Zeit von William Marshal, der mit seiner 1500 Ritter starken Mannschaft kämpfte, eine Art Fußballbundesliga oder Champions-League des Mittelalters. Die Turnierritter, Profis, die von Königen und Fürsten bezahlt wurden, zogen durch Europa und traten alle paar Wochen vor Publikum gegeneinander an. Dabei ging es darum, das gegnerische Ritterheer in die Flucht zu schlagen, Gefangene zu machen, möglichst ohne jemanden ernsthaft zu verletzen oder gar zu töten. Letzteres war, so Keupp, ziemlich schwierig, denn die Turnierritter kämpften mit echten Schwertern und Lanzen.

Unter den Zuschauern waren immer auch die Frauen der Höfe – und sie sorgten dafür, dass der Kampf nicht nur eine wüste Schlägerei war, sondern auch Edelmut und Respekt eine Rolle spielten. „Turnierritter sollten und wollten mehr sein als bloße Raufbolde“, erklärt Keupp, „es ging auch darum, den Damen zu imponieren.“ Die Regeln des Turniers sagen für Jan Keupp auch viel über die im Mittelalter herrschenden Vorstellungen der Menschen aus.

Reines Spiel waren die Turniere am Ende übrigens nicht: „Es ging dabei auch immer ums Training“, sagt Keupp – Training für echte Schlachten und Kriege.

Zum Thema

Die spannende Vorlesung ist geeignet für Kinder ab acht Jahren, erwachsene Begleiter sind willkommen. Der Besuch ist kostenlos, eine Anmeldung nicht erforderlich.



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