So., 20.11.2016

Starkes Debüt im Pumpenhaus In Schönheit versunken

Tsutomu Ozeki als androgyne Bühnengestalt

Tsutomu Ozeki als androgyne Bühnengestalt Foto: Carola Loeser

Münster - 

Eine Figur in langem Rock schreitet auf einem Lichtstrahl über die Bühne. Die Arme angewinkelt, die krallenförmigen Finger gespreizt, strahlt die androgyne Gestalt etwas Bedrohliches aus. Aus dem Off tönen Leon Rundes sphärische Klänge, bald gehen sie in lautes Dröhnen über. Der Tänzer dagegen ist versunken in kantiger Bewegung, die sich mit meditativer Gleichförmigkeit wiederholt. Die Arme beugen und strecken sich, der Körper dehnt sich in die Länge, die Finger ruhen selbstgefällig auf den Schultern. Wie bei einer Spieluhr dreht sich Tsutomu Ozeki als ein Schönling, der langsam um sich selber kreist. Es wird noch lange so weitergehen...

Von Isabell Steinböck

„Narziss“ ist die erste Arbeit von Milena Weber und Viktoria Mletzko. Im voll besetzten Pumpenhaus debütierte das Choreografen-Duo und konnte sich dabei auf seinen erfahrenen Solisten verlassen. Tsutomu Ozeki war knapp zehn Jahre Ensemblemitglied an den Städtischen Bühnen unter Daniel Goldin. Man kennt den Japaner als prägnanten, in sich ruhenden Tanzkünstler, der seine Bewegungen fließen lässt.

Entsprechend gestaltete sich das Bewegungsvokabular in einer Choreografie, die in kontemplativer Ästhetik auf Wiederholung setzt. Ovids Narziss, der in den „Metamorphosen“, von seinem eigenen Spiegelbild im Wasser bezaubert, an sich selbst zugrunde geht, kommt hier als wehrhafter Charakter auf die Bühne. Arrogant und dominant wirkt die Figur, stolz und abweisend. Wenn Ozeki seine Finger über dem Kopf spreizt, wirkt er wie ein selbst gekrönter König. Ein eitler Pfau, der die Balance verliert, wenn sich das Tempo der Bewegungen steigert, bis er vor seinem eigenen Schatten erstarrt (Lichtdesign: ­Adrian Kantel). Immer gebeugter und kleiner wird die Figur, scheint sich letztlich im Dunkeln aufzulösen.

Choreografisch erschöpft sich das knapp einstündige Stück in der Wiederkehr immergleicher Bewegungsmuster, die wenig Steigerung zulassen. Auch die Musik setzt kaum Akzente. Was fasziniert, ist die Konzentration Ozekis, die Klarheit seiner Bewegungen, die er mit traumwandlerischer Sicherheit zum Ausdruck bringt. Das Publikum spendete freundlichen Applaus.



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