Di., 29.11.2016

Nur der Eingang soll erhalten bleiben Land besteht auf Abriss der JVA Münster

Nur der Eingang soll erhalten bleiben : Land besteht auf Abriss der JVA Münster

Die JVA in Münster. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Ist das alte Gefängnis an der Gartenstraße nun baufällig oder nicht? Ja, sagt der Baubetrieb des Landes, und bereitet den Abriss-Antrag vor. Doch die Denkmalbehörde ist nach wie vor anderer Ansicht.

Von Martin Kalitschke

Das Land bleibt dabei: Die denkmalgeschützte Justizvollzugsanstalt an der Gartenstraße kann nicht mehr saniert werden. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) in Münster will daher „zeitnah“ den Abriss des 1848 errichteten, sternförmigen Zellentraktes beantragen. Lediglich der Eingangsbereich sowie die Außenmauer der JVA sollen stehen bleiben. Dies geht aus einer Stellungnahme hervor, die der BLB in dieser Woche an die Bezirksregierung versandt hat.

Mit der Einschätzung, dass der größte Teil des Denkmals nicht mehr zu retten sei, befindet sich der BLB auf Konfrontationskurs zur oberen Denkmalbehörde , also der Bezirksregierung. Ein von ihr in Auftrag gegebenes Gutachten war noch im Oktober zu dem Schluss gekommen, dass die JVA nicht einsturzgefährdet sei.

Fotostrecke: So sieht es in dem geräumten Gefängnis aus

Die in dem Gutachten geforderten Maßnahmen zur Sicherung des historischen Denkmals habe man gleichwohl inzwischen umgesetzt, so BLB-Sprecherin Rebecca Keller am Dienstag. Eine Sprecherin der Bezirksregierung betonte in einer ersten Reaktion, dass man nun erst einmal die neue Stellungnahme des BLB auswerten werde, bevor man sie öffentlich kommentiere.

Am 7. und 8. Juli war die Justizvollzugsanstalt vollkommen überraschend geräumt worden. Nur 45 Häftlinge blieben in einem als sicher geltenden Lazarettgebäude zurück, die übrigen Häftlinge wurden auf andere Anstalten in NRW verteilt. Kurz zuvor war der BLB zu der Einschätzung gekommen, dass der Zustand des Komplexes so schlecht sei, dass „konkrete Gefahr für Leib und Leben“ von Gefangenen und Beschäftigten bestehe.

Kommentar: Wer hat recht?

Für das Land ist der Fall klar: Der denkmalgeschützte Zellentrakt der JVA ist einsturzgefährdet. Für die Bezirksregierung ist der Fall ebenfalls klar: Der denkmalgeschützte Zellentrakt der JVA ist nicht einsturzgefährdet. Wer hat recht? Ein Kommentar.

Sollte die Bezirksregierung dem Abrissantrag zustimmen, dann will das Land auf dem dann freien Grundstück 300 Plätze für Untersuchungshäftlinge errichten, so BLB-Sprecherin Keller am Dienstag. Ob diese in Containern oder festen Gebäuden untergebracht werden, sei allerdings noch unklar.

Vor der Evakuierung waren in der JVA mehr als 600 Häftlinge untergebracht. Mit einem Neubau würde man den heutigen Ansprüchen an die Zellengröße gerecht, so Keller. An weitere Nutzungen auf dem JVA-Gelände sei nicht gedacht. Da dort künftig nur noch Untersuchungshäftlinge untergebracht werden sollen, seien die Pläne für einen zusätzlichen Neubau weiterhin aktuell. Derzeit würden mehrere Flächen geprüft – im Stadtgebiet, aber auch in einem Radius von 25 Kilometern.

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