Anzeige

Mi., 30.11.2016

Spenden für Burkinoa Faso „Mein Bruder hatte es besser“

Schule in Burkina Faso: Johanna Zimmermann (M.) hat dort unterrichtet. Serges Nassara (kl. Foto) stammt aus Tiébélé und bereitet sich auf ein Studium in Münster vor.

Schule in Burkina Faso: Johanna Zimmermann (M.) hat dort unterrichtet. Serges Nassara (kl. Foto) stammt aus Tiébélé und bereitet sich auf ein Studium in Münster vor. Foto: bn / African Roots

Münster - 

Serges Nassara (28) stammt aus dem Ort Tiébélé in Burkina Faso. Dort will der münsterische Verein African Roots eine Maternelle bauen. Eine Vorschule, in der Kinder spielend lernen sollen. Vor allem Französisch, die Sprache, auf der das gesamte Schulsystem der ehemaligen Kolonie Frankreichs basiert.

Von Günter Benning

Als Serges Nassara in die Schule kam, saßen in seiner Klasse 107 Kinder: „Viele von ihnen scheiterten schon an den Prüfungen am Ende der Grundschulzeit.“

 Serges Nassara lebt derzeit in Münster und bereitet sich in Sprachkursen auf ein Wirtschaftsstudium vor. In Burkina Faso hat er bereits als Kaufmann gearbeitet: „Bei uns gibt es viele talentierte junge Menschen“, sagt er. „Wenn sie schulisch gefördert würden, könnten sie viel mehr erreichen.“

 Er hat es in seiner Familie erlebt. Als Nassara in die Schule kam, sprach er nur Kassana, die Sprache der Region, in der er lebte. Wie alle anderen Kinder hatte er Probleme, Französisch zu lernen. „Als ich neun Jahre alt war, ist mein Vater mit uns nach Ouagadougou gezogen“, sagt er, „mein kleiner Bruder hat dort eine Vorschule besucht, er hatte es besser als ich. Er studiert heute.“

  Das Schulsystem in Burkina Faso ist hart. Wenn Kinder mit sechs oder sieben in die Schule kommen, müssen sie nach sechs Jahren Grundschule eine Prüfung ablegen. Wer sie besteht, kann auf das Collège gehen. Dort macht man nach vier Jahren die Mittlere Reife. Auf dem Lycée braucht es noch drei Jahre für das Abitur. Viele Kinder scheitern im eigenen Land an der Sprache der alten Kolonialmacht Frankreich.  Aristide Assoubana ist Grundschullehrer in Tiébélé: „Es ist ja bekannt, dass kleine Kinder Sprachen spielerisch lernen – das kann in einer Maternelle geschehen“, sagt er.

 Serges Nassara gehört in seiner Heimat zum Verein Dizendaani, der mit African Roots zusammenarbeitet. „Wir wissen“, sagt er, „dass wir uns auf unsere Regierung nicht verlassen können.“ Seine Generation habe erkannt, wie wichtig ein guter Schulabschluss sei. An der Zusammenarbeit mit African Roots gefällt ihm, „dass die Zusammenarbeit auf Augenhöhe“ stattfinde.

 Die Münsteraner haben engen Kontakt zu der Gemeinde in Burkina Faso. Im Sommer wird dort bereits zum wiederholten Male ein Fußballcamp durchgeführt. Johanna Zimmermann war mehrfach dabei: „In den langen Sommerferien haben die Schüler die Gelegenheit, Fußball zu spielen.“ Und daneben gibt es Unterricht. Auch Weiterbildungsangebote für Lehrer wurden von African Roots organisiert. Die Mitglieder des Vereins sind zumeist Studenten, die Lehramts-Praktika in Afrika absolviert haben.

 



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4469247?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F