Do., 01.12.2016

Faurés Requiem in der Petrikirche Gänsehaut und Kerzenschein

Nur von Kerzen wurde die Petrikirche erleuchtet.

Nur von Kerzen wurde die Petrikirche erleuchtet. Foto: cws

Münster - 

Hunderte Kerzen tauchten die Petrikirche in warmes, friedliches Licht und schufen eine ruhige und besinnliche Atmosphäre. In die hinein erklang am späten Mittwochabend, dem Vorabend zum Welt-Aids-Tag, Gabriel Faurés „Requiem“ zum Gedenken an all jene Menschen, die mit dem Aids-Virus leben mussten und an seinen Folgen starben. Und sicher auch als Aufruf zu einem Umgang mit HIV-Positiven, der nicht von Ausgrenzung sondern von Solidarität und Hilfe geprägt sein sollte.

Von Chr. Schulte im Walde

Kaum eine Musik hätte besser gepasst als Faurés Totenmesse mit all ihrem Trost, ihrer Zuversicht, ihrem Gestus der Erlösungsgewissheit. Da durfte man auch ein paar Tränchen verdrücken, als die Engel angerufen wurden, den lieben Verstorbenen in den Himmel zu begleiten – zumal, wenn wie hier, im „In Paradisum“ so himmlisch gesungen wird. Erstaunlich, welch stimmliche Qualitäten der eigens für dieses (am Donnerstag wiederholte) Konzert aufgestellte, von ausnahmslos jungen Menschen getragene Projektchor da vom ersten bis zum letzten Takt offenbarte. Und dies nach nur zwei Proben-Wochenenden. So war für Dirigentin Marion Wood in jedem Moment Verlass auf die gut 50 Choristen, auch auf das kleine, konzentriert spielende Orchester nebst Orgel (Leon Jaekel) und Solo-Violine (Mariana Hernández). Mehr als einmal gab es den „Gänsehauteffekt“, im gewaltig sich aufschwingenden „Dies irae“ und auch schon zu Beginn in den finstren „Requiem aeternam“-Rufen. Durch und durch eine runde Sache – innerhalb des Chores, aber auch zusammen mit den Instrumentalisten, exemplarisch im schlichten „Agnus Dei“ und seinen harmonischen Raffinessen. Schön, dass auch Anna-Sophie Brosig (Sopran) und Konstantin Voßhoff (Bariton) sich mit derselben Intensität und demselben Engagement in Faurés Musik versenkten. Eine tolle, von Marion Wood gut zusammengehaltene Aufführung, zumal unter erschwerten Bedingungen: Noten lesen bei Kerzenschein? Das ist kein Vergnügen.

Der letzte Ton dann um Mitternacht. Die Menschen in der voll besetzten Petrikirche schwiegen. Und sie schwiegen sehr lange. Nur die ersten verlöschenden Kerzen knisterten.



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