Di., 03.01.2017

Tankstelle Von-Steuben-Straße geschlossen Spritquelle am Bahnhof versiegt

Ende einer Tankstellen-Institution: Nach nahezu 66 Jahren ist die Westfalen-Tankstelle an der Von-Steuben-Straße nahe dem hauptnahnhof nun geschlossen.  

Ende einer Tankstellen-Institution: Nach nahezu 66 Jahren ist die Westfalen-Tankstelle an der Von-Steuben-Straße nahe dem Hauptbahnhof nun geschlossen.   Foto: Oliver Werner

Münster - 

Die Adresse Von-Steuben-Straße 13 war fast 66 Jahre lang eine Institution in Münster. Dort eröffnete 1951 eine Großtankstelle der Westfalen AG. Nun wurde die Spritquelle geschlossen – zum Kummer von Kunden, die den Service des 24 Stunden geöffneten Shops zu schätzen wussten. 

Von Karin Völker

Es ist Tag zwei des neuen Jahres, mit dessen Beginn sich ein Stück Bahnhofsmilieu in Münster verabschiedet hat. Die Westfalen-Tankstelle an der Von-Steuben-Straße hat mit dem Jahreswechsel geschlossen, Absperrgitter sind vor den Einfahrten montiert. Vor dem Kassenraum und Tankstellenshop steht auf Paletten, was die Kunden nicht gekauft haben. Sixpacks diverser Biermarken, Sektflaschen, Wodka, andere Spirituosen. Sebastian Peetz , der hier zehn Jahr im Auftrag des Pächters Hermann Röttger gearbeitet hat, begutachtet die Reste: Diese Art von „Sprit“ sorgte hier seit langem für den Hauptumsatz. Zum Betanken ihrer Autos kamen immer weniger Leute, sagt Peetz. Geöffnet war rund um die Uhr, der Shop war eine Oase für Durstige jenseits der Ladenöffnungszeiten. Ein Grund, weshalb die Schließung in den sozialen Netzwerken in diesen Tagen vielfaches Bedauern auslöst.

Auch 1951, als die Tankstelle nach dem Wiederaufbau des kriegszerstörten Hauptbahnhofs als sogenannte „Großtankstelle“ der Westfalen AG eröffnete, gab es bereits einen „Verkaufsraum“, erzählt Unternehmenssprecherin Hildegard Werth. Im Angebot war neben Autozubehör seinerzeit „Reisebedarf“ der sich damals weitgehend in diversen Bonbon-Sorten erschöpfte. Technische Innovation der Tankstelle waren 1951 die Zapfsäulen mit gleichzeitiger Liter- und Betragsanzeige, Benzin kostete damals rund 50 Pfennige pro Liter, gezapft wurde vom Tankwart. Zur Großtankstelle gehörte auch die bis heute bestehende „Hochgarage“ mit 110 vermieteten Parkplätzen und die mutmaßlich erste Autowaschanlage der Stadt.

Hermann Röttger hat die Tankstelle 35 der gut 65 Jahre seit der Gründung als Pächter betrieben. Für die Taxifahrer rund um den Hauptbahnhof war sie eine Institution. Vom Durchgangsverkehr wurde die Tankstelle in der geschlossenen Häuserzeile oft schlicht übersehen.

Nun werden die Bauten auf dem 3240 Quadratmeter großen Grundstück im Eigentum der Westfalen AG , das bis zur kleinen Bahnhofstraße reicht, in Kürze abgerissen, erklärt Hildegard Werth. Über die Zukunftspläne für das Grundstück gibt die Westfalen-Sprecherin keine Auskunft. Nur so viel sei sicher: Es soll bebaut werden, vor Wochen hatte es geheißen, mit Wohnungen und Geschäftsräumen. Es wird in jedem Fall neuer und aufgeräumter in der Bahnhofsgegend. Vis á vis an der Von-Steuben-Straße werden, wie berichtet, zwei neue Hotels entstehen.

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