Mo., 09.01.2017

Petra Streich-Strenge ist vom Jazzfieber infiziert Gut 20 Konzerte in drei Tagen

Petra Streich-Strenge auf der Bühne am roten Flügel beim 26. internationalen Jazzfestival im Theater Münster.

Petra Streich-Strenge auf der Bühne am roten Flügel beim 26. internationalen Jazzfestival im Theater Münster. Foto: bsc

Münster - 

Seit zehn Jahren ist Petra Streich-Strenge vom Jazzfieber infiziert, seit acht Jahren herrscht mindestens drei Tage lang Ausnahmezustand im Haus ihrer Freundin – nämlich immer dann, wenn wie am vergangenen Wochenende in Münster das Internationale Jazzfestival stattfindet. 

Von Benjamin Scholz

Von Freitagabend bis in die Nacht zum Montag hinein lauschen Petra Streich-Strenge und ihre Freunde den Klängen des Jazz und lassen dabei kein Konzert des  Festivals aus. Die 60-Jährige lässt sich mittlerweile getrost als Jazzjunkie beschreiben. Dabei war das lange Zeit anders, die ersten 50 Jahre ihres Lebens schwärmte Streich-Strenge für Rock. Ihr Ehemann und der ihrer Freundin aus Drensteinfurt waren dagegen schon länger Jazzfanatiker. „Bei gemeinsamen Treffen haben wir sie manchmal ertappt, wie sie bei ohrenbetäubend lauter Musik im Raum saßen und schliefen“, erinnert sich Streich-Strenge. „In dem Moment habe ich das Wort ‘Equilibrium‘ verstanden – die waren eins mit allem.“

Vor zehn Jahren dann öffnete sich auch für Streich-Strenge die Tür zum Jazz, wie sie es beschreibt: „Von da an habe ich die Dimension der Gefühle und dieser Welten einfach mitbekommen.“ Die Gefühle dieser „Jazzwelten“ in Worte zu packen, fällt ihr gar nicht so leicht. „Von der Euphorie bis zur Traurigkeit ist alles dabei“, versucht es die Dortmunderin. „Da ist das Leben enthalten.“ Ihre Freundin unterstützt sie, erinnert sich an den Auftritt der Jazzkoryphäe Joachim Kühn . „Der ganze Raum hat geschwebt, die Leute waren ergriffen und die Musiker haben geweint nachher.“

Fotostrecke: Internationales Jazzfestival Münster 2017

Es ist die Vielseitigkeit des Jazz, die ihn für Streich-Strenge so interessant machen. Außerdem scheint es, als sei der Jazz anspruchsvoller als der Rock, ihre erste große Liebe in musikalischer Hinsicht. „Es gibt beim Jazz auch Musik, bei der man sich still hinsetzen muss, um sie hören – das passiert einem beim Rock nicht so schnell“, sagt Petra Streich-Strenge.

Vor dem Jazzfestival gibt es stets eine musikalische Vorbereitung. Nachdem die Freunde sich in Drensteinfurt getroffen haben, mit reichlich Proviant für ein Wochenende mit viel Musik und wenig Zeit zum Essen, beginnt das Fachsimpeln. Am Freitag waren die Jazzfans erst nachts wieder in Drensteinfurt. Bei aufgewärmtem Essen tauschten sie noch bis in die frühen Morgenstunden ihre Eindrücke aus. Und am Samstag ging es gleich weiter.

„Nach dem letzten Konzert oder am nächsten Morgen wird dann die ultimative Frage gestellt: Welche Bands sind auf den Plätzen eins bis drei?“, erzählt Streich-Strenge. „Und da habe ich manchmal eine innere Spannung, weil eine Band fachlich gesehen total toll ist, aber mich emotional eine Gruppe ganz anders anspricht.“



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