Di., 10.01.2017

Kriminalität Hilferuf von der Windthorststraße

Die Situation auf der Windthorststraße hat sich nach Einschätzung von Anliegern in den vergangenen Monaten extrem verschlechtert. Vor allem die Kriminalität macht Sorgen. 

Die Situation auf der Windthorststraße hat sich nach Einschätzung von Anliegern in den vergangenen Monaten extrem verschlechtert. Vor allem die Kriminalität macht Sorgen.  Foto: Oliver Werner

Münster - 

Wer von Münsters Hauptbahnhof in die Innenstadt gelangen will, muss über die Windthorststraße. Vielen gilt der Bereich inzwischen als Angstraum.

Von Dirk Anger

Während Münsters Politik in der Frage einer Videoüberwachung auf der Windthorststraße kontrovers debattiert, sind die Nerven vieler Anwohner und Geschäftsleute anscheinend überstrapaziert. „Wir müssen die Straße anders überwachen“, fordert Hotelier Bernd Wedmann . In der Nacht auf Dienstag ist sein Hotel Ziel eines Einbruchs geworden.

In der Rezeption in der vierten Etage seien verschlossene Schränke und Schubladen aufgebrochen worden, berichtet Wedmann. Augenscheinlich waren der oder die Eindringlinge auf der Suche nach Bargeld, denn Computer und Handys ließen sie laut Hotelier zurück. 

Neugestaltung

Als Verbindungsachse zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt soll die Windthorststraße ein neues Gesicht bekommen. Mehr dazu hier

Auch in der Nachbarschaft verzeichnete die Polizei in der selben Nacht zwei Einbruchsversuche, bestätigte ein Sprecher Informationen unserer Zeitung.

In den vergangen Wochen und Monaten hatten Anlieger immer wieder auf die massiven Probleme auf der Windthorststraße hingewiesen. Seit 22 Jahren betreibt Bernd Wedmann nach eigenen Angaben dort das Hotel Windthorst: Er spricht von inzwischen „unhaltbaren Zuständen“ und einer „verschärften Situation“ in den vergangenen Monaten.

Sachbeschädigung sei inzwischen an der Tagesordnung: Die Blumenkübel vor seiner Tür würden regelmäßig verwüstet, Fahrräder geklaut. Wedmann fordert eine Videoüberwachung und eine bessere Ausleuchtung der Windthorststraße. „In dieser Straße ist nicht heile Welt.“

Kommentar

Gefährliche Lage

Ein Hotelier hat die Nase voll: Sachbeschädigung, Dreck, Überfälle vor seiner Tür. Der Mann fühlt sich alleingelassen – und damit ist er seit Langem nicht der Einzige auf der Windthorststraße. Die Unzufriedenheit mit der Sicherheitslage im Bahnhofsviertel ist spürbar; inzwischen ist auf der Straße vereinzelt sogar der Ruf nach einer Bürgerwehr zu vernehmen. Die Situation droht damit aus dem Ruder zu laufen.

Unabhängig davon, ob man die Einschätzung von Münsters Polizeipräsident teilt, dass es keinen „konkreten Kriminalitätsschwerpunkt“ in dem Viertel geben soll, besteht gleichwohl dringender Handlungsbedarf: Großstadt hin, Bahnhofsviertel her – wenn bei verunsicherten Anwohnern das Gefühl überwiegt, dass ihre Sorgen und Nöte von Stadtverwaltung und Polizei nicht ausreichend ernst genommen werden, erodiert das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit staatlicher Organe.

Deshalb braucht es keine ideologiebehafteten Sicherheitsdebatten, sondern konkrete Taten, um das Viertel wieder sicherer zu machen.

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