Mi., 11.01.2017

Mieter und Eigentümer zugleich Sie wollen ins Wigwam

Münster - 

Eine Gruppe Münsteranern, Erwachsene und Kinder will zusammen in einem Mehrfamilienhaus wohnen. Sie haben den Verein Wigwam gegründet – ein programmatischer Name für ihr Projekt. Jetzt fehlt noch die passende Immobilie. Auch die Altenberger Gilla und Heinrich Wächter machen mit.

Von Karin Völker

Wohnen in einem Wigwam – das ist eine romantische Vorstellung. Für Klaus Benning, Kathrin McNair und ihre Vereinsfreunde darf das Wigwam, das sie irgendwo in Münster dauerhaft aufschlagen wollen, ruhig etwas größer sein. Für ihr Projekt suchen sie ein Mehrfamilienhaus, in dem etwa 30 Menschen leben können. Gesellig, ökologisch und solidarisch wie in einem Wigwam – diesen Namen haben sie ihrem vor vier Jahren gegründeten Verein gegeben.

Miete zahlt jeder

Vorerst treffen sich die bislang elf Vereinsmitglieder – Freunde, Nachbarn, zufällig zum Projekt Hinzugestoßene – regelmäßig im „Nebenan“ an der Warendorfer Straße neben dem Cinema. Sie wollen zusammenwohnen und verfolgen dabei ein weitergehendes Ziel: „Wir wollen das Wohnen dem spekulativen Markt entziehen“, unterstreicht Dieter Lehmkuhl, der mit Frau und zwei kleinen Kindern einziehen will.

In „ihrer“ Immobilie – gleich, ob ein noch zu bauendes oder bestehendes Haus – wollen sie Eigentümer und Mieter zugleich sein: Jeder, der im gemeinsamen Haus wohnen wird, muss eine Miete zahlen. Die soll unter den in Münster üblichen Preisen liegen. „Einstellig“ pro Quadratmeter soll der Mietzins bleiben, so McNair. Für den Kauf des Hauses legen die Vereinsmitglieder zusammen – jeder steuert so viel bei, wie er geben kann. Weil das nicht reichen wird, sollen Kredite die Lücke schließen. Zum einen Direktkredite von Menschen, die gegen geringe Zinsen ihr Geld hier anlegen wollen, und Kredite der GLS-Bank, die bundesweit solche solidarischen Wohnprojekte finanziert.

Gemeinschaft unter Nachbarn

Der Verein „Wigwam“ ist Mitglied im bundesweit tätigen Dachverband „Mietshäuser-Syndikat“. Dieser gewährleistet, dass die Abzahlung der Immobilie abgesichert ist, auch wenn die Mitglieder und Mieter wechseln sollten, erklärt Klaus Benning, der den Verein gegründet hat. Wer bei Wigwam wohnt, soll die Gemeinschaft unter Nachbarn mögen, aber auch normaler Mieter sein dürfen, der vielleicht auch einmal wieder ausziehen will.

Heinrich und Gilla Wächter, 66 und 67 Jahre alt, wohnen derzeit in einem, wie sie sagen, mittlerweile zu großen Haus in Altenberge. Sie möchten wieder in der Stadt leben, gern zusammen mit jüngeren Leuten, erklärt Heinrich Wächter. Auch bei Brigitte Hornstein (60) sind die Kinder ausgezogen. Sie lebt jetzt allein und möchte wieder in einer WG wohnen, „wie früher in der Studentenzeit“. Die Gesellschaft der Kinder von den Lehmkuhls und von Andreas Meier und Tina de Susa, die alle unter sechs Jahre alt sind, wäre den Älteren sehr willkommen.

Immobiliensuche gestaltet sich schwierig

Bundesweit gibt es mittlerweile rund 200 solcher Projekte, in Münster bisher zwei: An der Grafschaft am Rande Hiltrups kaufte eine Gemeinschaft einen Bauernhof, auch die Akteure des Projektes B-Side am Hafen praktizieren das Modell.

Doch in Münster eine passende Immobilie zu finden, „das ist schwer“, sagt Kathrin McNair. Ein paar Mal habe der Verein schon mit der Stadt verhandelt, zuletzt um das Gebäude der ehemaligen Polizeiwache an der Gutenbergstraße, das dann aber vorerst für Flüchtlinge benötigt wurde.

Der Plan bleibt – und die Wigwam-Mitglieder beteuern, dass sie keinem Traum nachjagen. Weitere Mitstreiter sind willkommen. Die Wünsche der Wigwam-Mitglieder: „Wir wollen gern einen Gemeinschaftsraum haben, eventuell größere Anschaffungen wie Autos gemeinsam tätigen, uns gegenseitig unterstützen, ohne aber in einer Zwangsgemeinschaft leben zu müssen.“ Interessenten am Projekt können unter ✆  0251/2301679 Kontakt aufnehmen.



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