Sa., 14.01.2017

Glosse: Münster ist nicht Hamburg Wir kriegen nie eine Elbphilharmonie

Elbphilharmonie

Elbphilharmonie Foto: dpa

Münster/Hamburg - 

Neun Gründe, warum die Hamburger eine Elbphilharmonie haben. Die Münsteraner aber nicht mal eine Konzerthalle hinkriegen. Eine Frage der Mentalität?

Von Klaus Baumeister

Um mit der Wahrheit anzufangen: Münster bekommt nie eine Elbphilharmonie , auch keine kleine Elbphilharmonie, auch kein anderes großes und öffentliches Bauwerk, das man als spektakulär bezeichnen könnte. Das ist nicht eine Frage der Möglichkeiten, sondern der Mentalität. Das politische Leben in Hamburg tickt komplett anders als in Münster.

Hier also der ultimative Vergleich, wobei Anhängern der Political Correctness empfohlen wird, an dieser Stelle die Lektüre abzubrechen.

► Wohnung: Der Hamburger lebt in einem Nobelquartier. Sobald man aber die Haustür öffnet, drängt sich der Gedanke auf, dass eine Renovierung nicht schaden könnte. Der Münsteraner bevorzugt die mittlere Wohnlage, um Neiddebatten zu vermeiden. In seiner Wohnung stapeln sich ungelesene Bücher und teurer Krimskrams.

► Kleidung: Der Hamburger studiert die Sonderangebote der Textilketten. Um am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können, hängen dezente Designer-Klamotten in seinem Schrank. Der Münsteraner liebt Fair-Trade-Textilien und fördert nebenbei die Dritte-Welt-Stiftungen der entsprechenden Labels.

► Essen: Daheim begnügt sich der Hamburger mit Fischsuppe aus der Tüte. Ansonsten lässt er sich gern von Geschäftsfreunden ins Nobel-Restaurant einladen. Der Münsteraner kauft im Bioladen ein. Weil er die Wegwerfgesellschaft ablehnt, nimmt er auch leicht vergammeltes Obst, ärgert sich aber, wenn er rein beißt.

► Kultur: Zum Hamburger Understatement gehören exklusive Konzerte im Kreis ausgewählter Freunde. Der Münsteraner liebt die Kleinkunst. Bei repräsentativen Veranstaltungen beschleicht ihn die Angst, dass jemand über seine Öko-Klamotten lästern könnte.

► Haushalt: Der Hamburger beschäftigt eine Putzfrau – schwarz und unter Tarif. Der Münsteraner beschäftigt auch eine Putzfrau – mit Steuerkarte und über Tarif. Weil er die prekären Lebensverhältnisse der Putzfrau und ihren Migrationshintergrund kennt, zahlt er Weihnachts- und Urlaubsgeld.

► Finanzen: Der Hamburger verdient gutes Geld, sein Dispo ist am Limit. Der Münsteraner verdient gutes Geld, sein Dispo ist am Limit.

► Politik: Der Hamburger ist stockkonservativ, wählt aber SPD . Der Münsteraner kann sich nicht zwischen CDU und Grünen entscheiden.

► Religion: Der Hamburger glaubt nicht an Gott. Der Münsteraner hadert mit Gott, weil er sich neben dem Hamburger so klein vorkommt.

► Status: Vor der Tür des Hamburgers steht ein dunkelblauer 7er BMW. Vor der Tür des Münsteraners steht ein Fahrrad. Am liebsten beschäftigt sich der Münsteraner mit der Frage: Warum kann sich der Hamburger einen 7er BMW leisten?



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4557963?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F