Sa., 14.01.2017

Pro und Contra: Videoüberwachung Kameras in der Windthorststraße?

Pro und Contra: Videoüberwachung : Kameras in der Windthorststraße?

Foto: Oliver Werner

Münster - 

Anlieger der Windthorststraße schlagen Alarm. Videoüberwachung müsse her, um die ausufernde Kriminalität einzudämmen. Ist das eine berechtigte Forderung – oder übertrieben?

Von Martin Kalitschke und Günter Benning

Pro: Sicher durch Kameras

Von Martin Kalitschke

Rund um die Windthorststraße geht die Angst um – Kriminalität ist hier nicht mehr die Ausnahme, sondern längst die Regel, so die alarmierende Botschaft der Anlieger. Ihre Forderung nach mehr Videoüberwachung ist nachvollziehbar und macht Sinn.

Wird ein problematischer Straßenzug rund um die Uhr mit Kameras überwacht, dann muss das nicht zwingend Straftaten verhindern – doch die Aufnahmen helfen zumindest, im Nachgang Täter zu ermitteln, wie das Beispiel der Berliner U-Bahn-Schubser zeigt. Kameras erhöhen das Sicherheitsgefühl von Anliegern und Passanten und verunsichern zugleich Straftäter.

Dass sie die Privatsphäre unschuldiger Bürger verletzen, ist in Zeiten sozialer Medien nur noch ein Scheinargument. Wer auf Facebook seinen gesamten Tagesablauf postet, wird es auch aushalten können, bei einem Spaziergang über die Windthorststraße gefilmt zu werden – es sei denn, er/sie hat etwas zu verbergen. Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten, sondern kann sich einfach sicher fühlen.

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Contra: Gucken in Maßen

von Günter Benning

Ich bin für Videoüberwachung, wo sie Sinn macht. Zum Beispiel in Bussen und Zügen, wo allein die Drohung mit der Kamera manchen Radaubruder zur Raison bringt. Auch in Bahnhöfen oder in Geschäften wirken Kameras wohl vor allem präventiv. Videoüberwachung ja, wenn sie begrenzt und einschüchternd ist. Aber doch bitte nicht flächendeckend!

Wenn Polizeipräsident Kuhlisch zum wiederholten Male sagt, dass die Windthorst­straße aus der Sicht der Statistik nicht gefährlicher als andere Plätze der Stadt ist, würde ich das glauben. Die Polizei pa­trouilliert hier mit uniformierten und zivilen Ermittlern, sie kennt die Szene. Mehr Kameras würden auch nicht helfen. Vor allem, weil Erfahrungen, zum Beispiel aus England, zeigen, dass Wiederholungstäter, die in einem Revier unterwegs sind, natürlich ihre Kameras kennen. Und deren tote Winkel.

Auf dem Spiel steht etwas, was sonst mit Zähnen und Klauen verteidigt wird: das Recht des Passanten auf das eigene Bild, auf Anonymität und Privatsphäre. In einem Überwachungsstaat ist es in Gefahr.



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