Mo., 06.02.2017

Ex-Münsteraner leblos in Wohnung gefunden Der Höhlenmann ist tot

„Johannes“ am Eingang seiner Höhle bei Pentling in Bayern. Hier war er Ende vergangenen Jahres entdeckt worden. Nun ist der „Höhlenmensch“, dessen Familie in Münster lebt, überraschend gestorben.

„Johannes“ am Eingang seiner Höhle bei Pentling in Bayern. Hier war er Ende vergangenen Jahres entdeckt worden. Nun ist der „Höhlenmensch“, dessen Familie in Münster lebt, überraschend gestorben. Foto: Sepp Eder

Münster / Pentling - 

Er war der „Höhlenmensch aus Münster“. Von August 2014 bis zum Dezember 2016 lebte der 65-jährige Johannes in einem Wald nahe seiner Heimatgemeinde Pentling bei Regensburg. Als er entdeckt wurde, quartierte man ihn in eine Obdachlosenunterkunft der Kommune ein. Dort ist er am Montag verstorben.

Von Josef Eder

Nach vorliegenden Informationen starb er eines natürlichen Todes. Pentlings erste Bürgermeisterin Barbara Wilhelm bestätigte den Tod des Mannes, der vor seinem Verschwinden in Münster gelebt hatte.

Bekannt wurde er bundesweit als Höhlenmensch . Private Fernsehsender rissen sich um Interviews. „Einer dieser Sender will sogar eine sechsteilige Dokusoap mit mir drehen. Wir sind in Verhandlungen“, sagte zur Jahreswende Johannes, der seinen vollen Namen nicht öffentlich nennen wollte.

Monatelang in der Abgeschiedenheit

Bis zu seiner zufälligen Entdeckung am 21. Dezember hatte er in einer schwer zugänglichen Felsenhöhle über dem Donautal bei Unterirading (Gemeinde Pentling) gelebt. Der Oberpfälzer, der vorher mehr als vier Jahrzehnte in NRW gelebt hatte, war Mitte August 2014 aus Münster verschwunden.

Seine deutlich jüngere Ehefrau, die während seiner Abwesenheit einen Sohn gebar, hatte ihn als vermisst gemeldet. Johannes hatte bezweifelt, dass er dessen Erzeuger war.

Nach Hause wollte er nicht mehr, wie er beteuerte. Dort war er unerwünscht, denn in den vielen Monaten seiner Abwesenheit hatte er nie ein Lebenszeichen gegeben.

Rückkehr ins normale Leben

Johannes war in Pentling auf Wohnungssuche. Er wollte seinen Lebensabend in seiner Heimat verbringen. Zwischenzeitlich hatte er seine Rente wieder beantragt, denn die Zahlungen waren eingestellt worden. „Das dauert, bis alles wieder die vorgeschrieben Wege geht“, sagte er Bekannten.

Zuletzt wurde der „Höhlenmensch“ am Samstag im Pentlinger SB Warenhaus Real, gesehen, als er dort seine Einkäufe machte. Johannes war zuletzt sehr gepflegt. Haar- und Bart waren gestutzt, die Kleidung sehr sauber. Wer ihn nicht persönlich kannte oder von seinem Schicksal wusste, der wäre nie auf die Idee gekommen, in ihm den Mann aus der Felsenhöhle zu vermuten, berichten Bekannte.

Lebensphase in Beckum verbracht

Johannes war vor 15 Jahren schon einmal, damals für mehrere Monate verschwunden. Damals war er in erster Ehe in Beckum verheiratet. Als er danach wieder zu seiner Familie zurückkehrte, wurde er nach 25 Jahren Ehe geschieden.

Zu seiner ersten Ehefrau und den beiden gemeinsamen Kindern hatte er keinen Kontakt mehr. Auch nicht zu seiner, in Niederbayern lebenden Schwester.

Gesundheitliche Rückschläge

Gesundheitlich war er angeschlagen – zwei Schlaganfälle und Diabetes. Der erste Schlaganfall hatte ihm schwer zugesetzt. „Der letzte, vor 18 Monaten in Ungarn, war wohl wieder ein Warnschuss“, sagt er kürzlich, aber „jetzt bin ich gesundheitlich wieder hergestellt. Durch den Gewichtsverlust auf 68 Kilo sind die Zivilisationskrankheiten verschwunden.“

Sein Elternhaus in Pentling steht leer. Auch das Elterngrab am nahen Dorffriedhof ist aufgelöst. Wo er beigesetzt wird, ist noch ungeklärt. Die Kommune Pentling wird seine Angehörigen anschreiben.



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