Mo., 13.02.2017

Suche nach neuem JVA-Standort Eine schier unendliche Geschichte

Das altehrwürdige Gefängnis an der Gartenstraße hat bald ausgedient. Die Suche nach einem Grundstück für eine neue Justizvollzugsanstalt erweist sich als extrem schwierig.

Das altehrwürdige Gefängnis an der Gartenstraße hat bald ausgedient. Die Suche nach einem Grundstück für eine neue Justizvollzugsanstalt erweist sich als extrem schwierig. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Die Suche nach einem Grundstück für einen JVA-Standort geht weiter. Drei Grundstücke sollen nun in die engere Wahl gerückt sein.

Von Dirk Anger

Die unendliche Geschichte – so heißt ein Ende der 70er-Jahre veröffentlichter Roman aus der Feder von Michael Ende. Seit vielen Monaten wird nun in Münster an einer Neuauflage geschrieben – und zwar vom örtlichen Ableger des Bau- und Liegenschaftsbetriebs (BLB) des Landes NRW. Denn dessen schier endlose Suche nach einem Standort für einen Gefängnis-Neubau dürfte diesen Titel inzwischen mit Fug und Recht verdienen.

Drei Grundstücke in der engeren Auswahl

Zum aktuellen Kapitel: „Wir stehen nach wie vor in Gesprächen mit Grundstückseigentümern“, antwortet BLB-Sprecherin Rebecca Keller auf entsprechende Nachfragen. Nach Informationen unserer Zeitung sind aktuell drei Grundstücke in die engere Auswahl gerückt – zwei davon liegen offenbar nördlich von Wolbeck im Bereich Freckenhorster Straße/Alter Mühlenweg. Von dort aus sind es rund acht Kilometer bis zum Landgericht, wie aus der im Jahr 2013 vorgelegten, gemeinsamen Standortuntersuchung von BLB und Stadt Münster hervorgeht.

Fotostrecke: So sieht es in dem geräumten Gefängnis aus

Albachten eine Option?

Eine weitere Option für einen Gefängnis-Neubau tut sich dem Vernehmen nach in Albachten auf. Die beiden landwirtschaftlichen Flächen nördlich von Wolbeck gelten aber als Favoriten. Bereits in der Vergangenheit hatte sich der BLB andere Flächen nordöstlich von Wolbeck nahe der Stadtgrenze intensiver angeschaut.

Bisweilen gewinnt der Beobachter den Eindruck, dass das bislang ergebnislose Bemühen in der Standort-Suche so fantastische Züge trägt wie das literarische Original der unendlichen Geschichte: nicht zuletzt, als mit einem Areal am Rande Handorfs eine weitgehend akzeptierte Lösung unter dubiosen Umständen torpediert und ausradiert wurde.

Spekulationen, wonach die Grundstückverhandlungen über einen neuen Standort jetzt kurz vor dem Abschluss stehen sollen, kann die BLB-Sprecherin „nicht bestätigen“.

Auch bezüglich möglicher Standorte in Münster hüllt sich die Behörde angesichts laufender Gespräche in Schweigen.

Auch Senden und Laer im Gespräch

Allerdings bestätigt Keller, dass auch außerhalb Münsters nach geeigneten Grundstücken für einen Gefängnis-Neubau geschaut werde. Als heiße Anwärter gelten dabei bekanntlich die Gemeinden Senden und Laer. Zwischen letzterer Kommune und dem Land soll es im vergangenen Jahr erste Gespräche im Hintergrund gegeben haben.

In Düsseldorf dürfte unterdessen die Ungeduld wachsen: Mit Blick auf die nahende Landtagswahl möchte man die leidige Standortsuche gerne vom Tisch haben, wie ein Insider der Materie mutmaßt. Schließlich liegt der Schwarze Peter in dieser Angelegenheit zuvorderst beim Land – in erster Linie beim BLB, aber auch auf dem Justizministerium lastet zunehmender Druck. Schließlich hatte Minister Thomas Kutschaty schon einmal eine Lösung des Problems bis spätestens Mitte 2016 angekündigt.

Zeitnahe Lösung gesucht

So aber geht die unendliche Geschichte weiter: „Wir wollen zeitnah eine Lösung haben“, sagt zwar der Sprecher des Justizministeriums, „wie die aussieht weiß keiner.“ Nur kühne Optimisten mögen aus diesen Worten von Detlef Feige Zuversicht entnehmen.

Immerhin in einem Punkt sind sich NRW-Justizminister Thomas Kutschaty und Oberbürgermeister Markus Lewe einig: Erste Priorität habe eine neue Justizvollzugsanstalt auf dem Gebiet der Stadt Münster. Nach vierjähriger Suche ist offen, wie lange dieser Geduldsfaden noch hält.

Teilnutzung an der Gartenstraße?

Der Liegenschaftsbetrieb des Landes prüft weiter, ob ein Teil des einsturzgefährdeten Gefängnisses an der Gartenstraße wieder genutzt werden kann. Dieses gelte für den Flügel B, sagt Sprecherin Rebecca Keller. Dazu stimme man sich auch mit dem Justizministerium in Düsseldorf ab. Das Land braucht dringend Haftplätze, nachdem die Justizvollzugsanstalt in Münster vor gut sechs Monaten fast komplett geräumt wurde. Noch nicht vom Tisch ist der Vorschlag, den ganzen Komplex abzureißen.

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