Fr., 17.02.2017

Prozess um Diamantohrringe vor Oberlandesgericht Hamm Händler darf das Doppelte verlangen

Schon vor dem Landgericht Münster unterlag der Käufer der Diamantohrringe mit seiner Klage. Das Oberlandesgericht Hamm bestätigte dieses Urteil nun im Ergebnis.

Schon vor dem Landgericht Münster unterlag der Käufer der Diamantohrringe mit seiner Klage. Das Oberlandesgericht Hamm bestätigte dieses Urteil nun im Ergebnis. Foto: dpa

Münster - 

Pärchen oder nicht? Mit dieser Frage befasste sich das Oberlandesgericht (OLG) Hamm. Im Mittelpunkt des Prozesses standen zwei Diamantohrringe, mehrere Gutachten, ein münsterisches Juweliergeschäft und ein Käufer, der sich geprellt fühlte.

Der Kunde und Kläger aus Dötlingen hatte 2011 bei dem Juweliergeschäft die beiden Diamantohrringe für 268 000 Euro erworben – auch als Wertanlage, heißt es in einer Pressemitteilung des OLG . Der Juwelier hatte ihm zwei internationale Expertisen ausgehändigt, die die Pärchen-Eigenschaft der Schmuckstücke bestätigten. Diese erhöht den Wert, wenn die Steine in den Klassifizierungskategorien und in optischer Hinsicht gut zusammenpassen.

Der Käufer aber holte weitere Expertisen ein – und behauptete, die Ohrringe seien kein Pärchen, sondern von schlechterer Qualität und üblicherweise für 130 000 bis 160 000 Euro zu kaufen. Weil er getäuscht worden sei, focht der Mann den Kaufvertrag an. Der sei zudem wegen des deutlichen Unterschieds zwischen Kaufpreis und dem Wert laut seiner Expertisen sittenwidrig und damit nichtig. Ob durch Anfechtung oder grundsätzliche Nichtigkeit: Der Kläger verlangte die Rückabwicklung des Geschäftes.

Das aber sah das OLG Hamm nicht ein – und bestätigte damit im Ergebnis auch das erstinstanzliche Urteil des Landgerichts Münster. Der Kläger habe bereits nicht nachweisen können, so der 7. Zivilsenat des OLG, dass es sich bei den Diamanten in den Ohrringen um kein Pärchen handle. Ein vom Gericht beauftragter Sachverständiger habe vielmehr festgestellt, dass die Steine nach den maßgeblichen Expertisen internationaler Institute ein Pärchen seien. Sogar ein vom Kläger vorgelegtes Privatgutachten gehe von der Pärchen-Eigenschaft der Steine aus, auch wenn es deswegen nur einen geringeren Preisaufschlag als gerechtfertigt ansehe.

Der Kaufvertrag sei auch nicht sittenwidrig. Zwischen dem Kaufpreis und dem Wert der Ohrringe bestehe kein grobes Missverhältnis, befand das OLG. So habe der Sachverständige den Herstellungspreis auf 102 000 Euro geschätzt, hinzu kämen Verkaufsaufschläge des Herstellers und Endhändlers. Letzterer könne auch einen Aufschlag in Höhe des Einkaufspreises veranschlagen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.



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