Sa., 25.02.2017

Nach Gefängnis-Räumung Reisewelle der Vollzugsbeamten

Seitdem das Gefängnis in Münster wegen Einsturzgefahr geräumt wurde, muss auch ein großer Teil der früher dort tätigen Beamten pendeln. 

Seitdem das Gefängnis in Münster wegen Einsturzgefahr geräumt wurde, muss auch ein großer Teil der früher dort tätigen Beamten pendeln.  Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Für sechs Strafvollzugsbeamte aus Münster beginnen seit Monaten die Arbeitstage mitten in der Nacht. Dienstbeginn ist für sie um 5.45 Uhr – allerdings nicht an ihrer eigentlichen Dienststelle, dem münsterischen Gefängnis an der Gartenstraße. Die Beamten fahren täglich zum Dienst nach Bochum.

Von Karin Völker

Seitdem dies Anfang Juli vergangenen Jahres wegen Einsturzgefahr geräumt wurde, muss auch ein großer Teil der früher dort tätigen Beamten pendeln. Nach Werl, Hamm, Gelsenkirchen und eben auch Bochum . Die Kollegen stehen teilweise vor vier Uhr in der Nacht auf, um pünktlich in Bochum oder Gelsenkirchen zu sein, erzählt Achim Hirtz , „auf Dauer eine immense Belastung“. Hirtz ist Vorsitzender des Ortsverbandes Münster im Bund der Strafvollzugsbediensteten Deutschlands, und allmählich reißt ihm beim Thema Gefängnis Münster der Geduldsfaden.

Immer noch keine Fläche für einen Gefängnisneubau

Hirtz bringt kein Verständnis dafür auf, dass das Land immer noch keine Fläche für einen Gefängnisneubau benannt und die Planungen in Gang gebracht hat.

180, und damit der Großteil der ehemals in der JVA Münster tätigen Kräfte, muss seit der Räumung wegen der weiten Wege zu anderen Haftanstalten deutlich längere Arbeitstage absolvieren – aber nicht nur die Bediensteten aus Münster. Die Räumung des alten Gefängnisses zwingt Strafvollzugsbeamte aus weiten Teilen Nordrhein-Westfalens zum Pendeln. „Cascadensystem“ nennt Achim Hirtz, die Welle an Abordnungen, die die Schließung in Münster verursacht hat. Weil in Bochum sechs Kollegen aus Münster arbeiten, müssen nun täglich fünf normalerweise in Bochum tätige Kollegen nach Düsseldorf pendeln. Von dort aus wiederum wurden Mitarbeiter zur erneut in Betrieb genommenen JVA Mönchengladbach abgeordnet.

JVA-Reisewelle

Der 150 Kilometer entfernte Dienstort war für münsterische Bedienstete nicht zumutbar, weshalb die beschriebenen JVA-Reisewelle in Gang gesetzt wurde.

Die CDU Bochum kritisierte jüngst in dieser Angelegenheit das Justizministerium NRW. Wenn künftig eventuell wieder 100 Haftplätze in den nicht einsturzgefährdeten Flügel des Gefängnisses an der Gartenstraße zurückkehren könnten, wäre das für etliche Vollzugsbeamte mehr als eine Erleichterung, sagt Achim Hirtz. „Das ‘Schwarzer-Peter-Spiel‘ in der Politik muss aufhören und eine Entscheidung getroffen werden“, ärgert sich Hirtz. Besonders deshalb, weil sich die Situation der Bediensteten aus Münster ohnehin vorläufig nicht verbessern werde.

Bis ein neues Gefängnis geplant und gebaut ist, werden voraussichtlich Jahre vergehen.

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