Mo., 06.03.2017

„Not my Revolution, if ...“ : Aktionismus im Pumpenhaus Konfuse Weltretter finden keinen Ausweg

„Merry crisis and a happy new fear“ wünschen die Performer.

„Merry crisis and a happy new fear“ wünschen die Performer. Foto: Dorothea Tuch

Münster - 

„There is a battle that will not stop”. Vier Performer stehen auf der Bühne, trommeln und singen von Angie O., einer Aktivistin, die überall dort ist, „wo Krieg ausbricht“, weil sich die Gesellschaft (mal wieder) in einer Krise befindet. Angie O. ist keine Figur einer Geschichte, sondern ein Wortspiel.

Von Isabell Steinböck

„There is a battle that will not stop”. Vier Performer stehen auf der Bühne, trommeln und singen von Angie O., einer Aktivistin, die überall dort ist, „wo Krieg ausbricht“, weil sich die Gesellschaft (mal wieder) in einer Krise befindet. Angie O. ist keine Figur einer Geschichte, sondern ein Wortspiel. Ihr Name klingt genau wie NGO – Non-Governmental Organization – und um eben diese, die „globale Antiglobalisierungsbewegung“, dreht sich das sogenannte Agit-Musical des Berliner Performancekolletivs „andcompany & Co.“ mit dem Titel „Not my Revolution, if ... – die Geschichten der Angie O“.

Als politisch engagierte Aktivisten arbeiten sich vier Performer auf der Bühne ab. In Popsongs beschwören sie Endzeitstimmung („Hell is waiting“), blasen Fanfaren auf Autohupen, posieren neben einem weißen Pyramidenzelt oder klettern die Seitenwände herauf, als wollten sie eine Festung stürmen. Da ist vom „Geist der Gleichheit“ die Rede, von Menschen, die anderen helfen wollen, sich selbst zu organisieren, aber ihr eigenes Leben nicht in den Griff bekommen. Das hat etwas Komisches, etwa, wenn ein Performer selbstkritisch sagt: „Ich hasse es, wenn Künstler über Neoliberalismus reden und noch nicht mal ihre Steuererklärung verstehen.“ Grotesk wird es, wenn Angie O. in einem surrealen Moment das „wood wide web“ der (halluzinogenen?) Pilze entdeckt. Sie stellen auf magische Weise Verbindungen her und schicken sich in die Welt hinaus, um in einer Coffee-Company zu arbeiten, Plastikmüll inklusive. Weltretter stellt man sich anders vor.

Das Regieteam, Alexander Karschnia, Nicola Nord und Sascha Sulimma, überschwemmt sein Publikum förmlich mit Phrasen, Gesängen und bunten Bildern. Musiker treten mit Pussy-Riot-Masken auf, ein Gehörnter lässt goldene Papiersterne regnen, Figuren mit blinkenden Lämpchen anstelle von Köpfen vermitteln Science-Fiction-Atmosphäre.

Wenn vom Skalp Donald Trumps die Rede ist, rückt die Szene gar in Richtung Western. Zwar sieht man den versierten Performern gerne zu – dass Sascha Sulimma die erkrankte Nicola Nord mit Textbuch ersetzt, gerät im Laufe des 90-Minuten-Stücks in Vergessenheit –, das dramaturgische Chaos wiegt jedoch schwer. Auch wenn Kritik an Kapitalismus, Rechtspopulismus oder sozialer Ungleichheit dazugehört, fehlt der rote Faden oder eine Richtung, in die dieses konfus anmutende Drama steuert. So bleibt nur das frustrierende Fazit allgemeiner Orientierungslosigkeit in einer von Krisen geschüttelten Welt. Kein Ausweg, nirgends. Oder wie die Company singt: „Merry crisis and a happy new fear“.



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