Fr., 17.03.2017

Mark Bellinghaus: Sein Jahr bei der AfD Schräger Ausflug in die rechte Szene

Nein – Mark Bellinghaus im blauen Einreiher, so wie er beim Nominierungsparteitag der AfD auftrat, um seinen Austritt bekannt zu geben.

Nein – Mark Bellinghaus im blauen Einreiher, so wie er beim Nominierungsparteitag der AfD auftrat, um seinen Austritt bekannt zu geben. Foto: Günter Benning

Münster - 

Schräge Geschichte: Schauspieler Mark Bellinghaus („Der Name der Rose“) schleicht sich in die AfD ein. Er ist kurz davor, sich für ein Bundestagsmandat in Euskirchen zu bewerben. Da knallt die Bombe.

Von Günter Benning

Ein bisschen muss man, wenn man Mark Bellinghaus sieht, an Woody Allens Film „ Zelig“ denken. Zelig war überall mittendrin, wo auf der Welt Geschichte geschrieben wurde. Ein menschliches Chamäleon, einfach nicht zu fassen.

Bellinghaus, ultramarinblauer Anzug, Einstecktuch, rote Krawatte, Lederköfferchen, blondierte Mähne, sagt zunächst mal: „Na, so sehe ich natürlich normalerweise nicht aus.“ So geschniegelt.

"Ich habe sie alle getäuscht"

So sah er aber aus, als er am vergangenen Wochenende beim Parteitag der Alternative für Deutschland (AfD) in Euskirchen ans Rednerpult ging, um sich als Kandidat für die Bundestagswahl zu präsentieren.

Doch statt der schriftlich vorbereiteten, ultra-wirren Werberede verkündete Bellinghaus seinen Austritt aus der Rechtspartei: „Für mich war das ein Weckruf, ich habe die Reißleine gezogen“, sagt er. Und: „Ich habe sie alle getäuscht.“

Und wie. Als die AfD Münster Anfang Februar zum umstrittenen Neujahrsempfang in Münsters Rathaus geladen hatte, saß Mark Bellinghaus in der ersten Reihe, enthusiastisch ein Anti-Europa-Plakat schwingend. Auf einem Foto sieht man ihn im Gespräch mit der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry und dem münsterischen Ratsherrn Martin Schiller: „Ich habe Petry das Wasser gereicht.“ Diesmal mit Linksscheitel und Fliege. „Etwas schmierig“, sagt er, „eine schauspielerische Glanzleistung.“

 

Fotostrecke: Mehr als 8000 Münsteraner protestieren gegen AfD-Neujahrsempfang 2017

 

Schauspielern, das hat der gebürtige Koblenzer früher professionell betrieben. Als Jüngling spielte er neben Sean Connery und Helmut Qualtinger den Novizen im „  Namen der Rose “ (1986). Fernsehauftritte folgten. Dann zog er in die USA, verabschiedete sich aus dem Mimengeschäft und sammelte Marilyn-Monroe-Memorabilien. Es soll eine der größten Sammlungen weltweit gewesen sein.

Im Internet gibt es einen Mark-Bellinghaus-Fanclub. Irgendwann um 2009 verlieren die Fans allerdings seine Spur. Damals zog er, erklärt der Mime, aus familiären Gründen zurück nach Deutschland. „Zum Teil lebe ich noch vom Verkauf meiner Marilyn-Sammlung“, sagt er, „aber das wird jetzt auch weniger.“

Politisch eher skurril

Politisch trat er eher skurril in Erscheinung. Etwa beim Münster-Besuch von Angela Merkel 2013. Da sieht man ihn in Bayern-Janker und mit Tirolerhut („Ich komme ja aus Süddeutschland“), wie er der Kanzlerin Blumen überreicht. Der WDR interviewte ihn, die Zeitung bildete ihn ab. Ein kurzes Intermezzo.

Dann stieg er vor einem Jahr bei der AfD ein. Warum? „Ich wollte mal am eigenen Leib erfahren, was so eine Partei mit dir macht.“ Er behauptet, es sei ihm darum gegangen, die „AfD zu entlarven“.

Wöchentlich beim "Altmännerstammtisch"

Jede Woche besuchte er den „Altmännerstammtisch“ des AfD-Kreisverbandes bei Kruse Baimken. Der übrigens dort seit Kurzem Hausverbot habe. Das bestätigt auf Anfrage auch der Geschäftsführer der Traditionskneipe, in der viele Migranten arbeiten: „Eigentlich bin ich mit dem Vorstand immer gut klargekommen“, sagt er. Aber die Gäste des Stammtisches seien ausfällig geworden: „Meine Leute weigerten sich, die zu bedienen.“ Also habe man sich getrennt.

„Es war ein Horror-Stammtisch“, schildert Bellinghaus aus der Innensicht, „es wird über Ausländer geschimpft.“ Der münsterische Stammtisch sei „gefährlich rechts“. 20 bis 30 Teilnehmer seien dort aufgetaucht, in Münster gebe es 80 Mitglieder.

Und: „Es gibt wohl keine Partei, die eine krassere Politik gegen die Kirche macht.“

Als Parteimitglied fleißig engagiert

Bellinghaus wurde im Mai 2016 Mitglied Nr. 10611142. Und er engagierte sich fleißig. In einem Schreiben an Frauke Petry biederte er sich an. Bei Versammlungen auf Landesebene gehörte er zur Zählkommission.

In seiner Familie verstand, sagt er, offenbar keiner seinen „Selbstversuch“. Er habe ausländische Verwandte, in seiner US-Zeit habe er zudem als Grafiker im Museum für Toleranz der Simon-Wiesenthal-Gesellschaft gearbeitet. „Das passt doch alles nicht.“

Woody Allens Leonard Zelig übrigens, das menschliche Chamäleon, passte sich allem an. In der Filmklamotte taucht er am Ende direkt hinter Hitler auf und muss von seiner Geliebten in die USA gerettet werden.

Auch Bellinghaus begibt sich am Ende in Teufels Küche. Am vergangenen Wochenende will er in Euskirchen gegen den münsterischen Ratsherrn Martin Schiller um die Aufstellung für den Bundestag kämpfen: „Ich kam als Erster dran, weil ich vorne im Alphabet stehe.“ Doch statt einer Wahlrede erklärte er den Austritt. Den AfD-Vorschlag, die GEZ als Urheberschutz-Institut abzuschaffen, klatschte er ab: „Schließlich habe ich jahrelang als Schauspieler von der GEZ gelebt.“ Was dann kam, bezeichnet er als „Rauswurf“.

AfD: Bellinghaus war unser Sorgenkind

Und was sagt die AfD? „Bellinghaus“, erklärt AfD-Ratsherr Martin Schiller, „war so etwas wie unser Sorgenkind. Mal euphorisch, mal tief betrübt. Er hatte psychische Probleme.“

Aber auch wenn es so wäre, bleibt die AfD-Karriere des Schauspielers einmalig kurios. Mark Bellinghaus kontert: „Die AfD ist ein brauner Haufen frustrierter, einsamer Rentner. Wenn ich einen potenziellen Wähler davon abhalten kann, die Partei zu wählen, hat sich das Jahr gelohnt.“

Mark Bellinghaus hat nach eigenen Angaben in den USA eine geplante Wanderausstellung mit Erinnerungsstücken an Marilyn Monroe gestoppt. Die Ausstellungsstücke seien Fälschungen gewesen. Die Aufdeckung hatte zu einem Skandal und zu einer 100-Millionen-Dollar-Klage geführt, wie der Schauspieler erklärt. Dies habe er alles erfolgreich durchgestanden.

Weiter führende Berichte über  diese Verfahren finden sich noch im Internet unter den folgenden Adressen:

  http://articles.latimes.com/2005/nov/11/entertainment/et-marilyn11

http://articles.latimes.com/2006/mar/23/entertainment/et-monroe23/3 

http://articles.latimes.com/2005/jun/05/local/me-monroe5 

http://blogcritics.org/marilyn-monroes-memory-defrauded-in-long/ 

http://blogcritics.org/marilyn-monroe-exhibit-exposed-as-875/ 

http://www.geowis.de/product_info.php?products_id=664 

http://www.skeptic.com/eskeptic/06-04-27/

http://www.skeptic.com/eskeptic/08-10-01/



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4709127?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F