So., 19.03.2017

Nacht-Talker im Bürgerhaus Kinderhaus Jürgen Domian: Er nahm sie alle ernst

Gute Laune und Nachdenklichkeit verbreitete Jürgen Domian (r.) im Gespräch mit Olli Briesch.

Gute Laune und Nachdenklichkeit verbreitete Jürgen Domian (r.) im Gespräch mit Olli Briesch. Foto: Isabell Steinböck

Münster - 

„Die Erde ist eine Scheibe”, „Ich bin ein Außerirdischer” oder „Ich bin unsterblich”: Das sind einige der verrücktesten Statements, die Radio- und TV-Moderator Jürgen Domian im Laufe seiner 21-jährigen Tätigkeit als Telefon-Talkmaster bei 1 Live und WDR-Fernsehen hörte. Im Bürgerhaus Kinderhaus plauderte er aus dem Nähkästchen.

Von Isabell Steinböck

Ein Entertainer, der mit seiner verständnisvollen Art so manchem zum Vertrauten wurde, wenn nachts zwischen ein und zwei Uhr niemand anderer mehr da war. Eine Karmeliterschwester zählte zu seinen treuen Hörern, Mörder und Gewalttäter gingen mit ihm live auf Sendung, Menschen mit ungewöhnlichen sexuellen Praktiken. Selbst SPD-Politiker Sigmar Gabriel schätzte den Domian-Talk, wenn er nach Veranstaltungen im Auto nach Hause fuhr, weil er von „normalen Leuten“ etwas mitbekam.

Deshalb hat Domian aufgehört

Die Nachtarbeit zehrte gesundheitlich derart an dem 59-Jährigen, dass er die „Domian“-Sendung aufgeben musste. Als Seelentröster scheint er vielen Hörern zu fehlen; sein Rückblick auf zwei intensive Jahrzehnte zieht die Massen an. Sämtliche Veranstaltungen von „Domian redet“ sind Monate im Voraus ausverkauft; auch das Kap.8 im Bürgerhaus Kinderhaus war voll besetzt. Unterhaltsam befragt von Reporter Olli Briesch, sprach der empathische Journalist über Menschen, die ihn berührt haben, gab kuriose Begebenheiten zum Besten, ließ das Publikum Fragen stellen.

Berührende, groteske, komische und traurige Geschichten

Komisch, grotesk und traurig sind Geschichten, die in zwei Stunden zur Sprache kommen. Kuriose Fetische sind dabei, Hackfleisch und Kot. Auf die scherzhafte Frage ins Publikum, was der Mehrheit lieber sei, Blut oder Haare, tendierten die meisten zu Haaren (Domian und Briesch inbegriffen).

Berührend ist die Geschichte einer todkranken 17-Jährigen, die Domian ein Märchenbuch vererbt, grotesk der „eloquente Mann“, der eine Liebesbeziehung zu seiner Heimorgel pflegt. „Ich habe das ernst genommen“, sagt der Talkmaster und offenbart damit wohl das Geheimnis seines Erfolges.

Der Tod ist sein Lebensthema

Domian selbst war einst so tiefreligiös, dass er an seine protestantische Kirchengemeinde Flugblätter verteilte. Der Tod ist sein Lebensthema. Derzeit schreibt er einen Roman über einen Mann, der sich umbringen will und engagiert sich leidenschaftlich für Palliativmedizin – auf ganzer Linie ein Sympathieträger.



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