So., 19.03.2017

Konzert der „Untertanen“ Unter die Haut gehend

Im Chorgesang der „Untertanen“ sind viele zeitkritische Texte aufgehoben.

Im Chorgesang der „Untertanen“ sind viele zeitkritische Texte aufgehoben. Foto: Heike Eickhoff

Münster - 

„Der edelste Teil eines Menschen ist der Pass, wenn er gut ist!“ schrieb Brecht. In Zeiten von weltweitem Flüchtlingselend, bedingt durch Kriege, Gewalt und Armut, gilt diese Aussage aus den „Flüchtlingsgesprächen“ genauso wie vor über einem halben Jahrhundert, als Brecht sie niederschrieb.

Von Heike Eickhoff

Die Untertanen, der politisch engagierte und wache Chor, beschäftigt sich im aktuellen Programm „Wohin?“ mit der Flucht und hat diesen Text in einer Vertonung von Anne Tübinger im Gepäck. Am Samstag waren die Untertanen in der Aula des Pascalgymnasiums zum Benefizkonzert für Refugio zu Gast. Die Zuschauer feierten den gut aufgelegten Chor, der irgendwo zwischen Konstantin Wecker, Cochise und alter englischer Musik, gewürzt mit überraschend neuen Klängen, ein teils unter die Haut gehendes Programm präsentierte. Refugio ist ein psychosoziales Zentrum, das belasteten Flüchtlingen und Folteropfern Hilfe bietet. Sozialarbeiter und Psychotherapeuten, dazu viele ehrenamtliche Mitarbeiter, bilden das Kernstück des Zentrums.

Teils ging es beim Konzert bis knapp an die Grenzen der Leistungsfähigkeit des engagierten Chores, doch Musizierfreude und Engagement machten die wenigen technischen Hakeleien schnell wett. Provokant können sie sein, die Untertanen, wenn sie frech singen: „Zigeuner kommen in die Stadt, aufgepasst, wer Kinder hat!“ Um anschließend die „Spinner“ vorzuführen, die üble Vorurteile verbreiten: „Die Spinner wollen jetzt ihr Recht, dabei geht’s ihnen gar nicht schlecht.“ Blockflöte (Barbara Winter) und Klavier begleiteten die freche, flotte kurze Nummer.

Der Cochise-Hit „Hester Jonas“ eröffnete nach der Pause im Chorsatz. Hans-Martin Schwindt hatte wieder einmal für ein paar neue Harmonien und Wendungen im Arrangement gesorgt – erfrischend, aber nicht unbedingt notwendig für diesen Song und dem Chor unnötig viel musikalische Hürden bietend. Begleitet von Klavier und Cajon kam „Augen auf“ von Sarah Connor solistisch daher, gesungen mit gefühlvollem Bariton. Ein Lied der Roma aus Ungarn („Mori Shej“), Zoltan Kodalys „Esti dal“ als gelungene A-cappella-Version und „Too much i once lamented“ (Thomas Tomkins, 1622) sorgten für Abwechslung.

Am Ende feierten die Zuschauer den Chor mit sehr viel Beifall.



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