So., 19.03.2017

Eva Mattes im Kleinen Haus Schöner Trost vom Regisseur

Eva Mattes las und sang im Kleinen Haus.

Eva Mattes las und sang im Kleinen Haus. Foto: Isabell Steinböck

Münster - 

„Zwei mal drei macht vier ...“, tönt es zum Auftakt der Weverinck-Lesung aus den Lautsprechern des Kleinen Hauses. Eva Mattes beginnt ihr „persönlichstes Programm“ am Anfang der Karriere: mit Synchronsprechen. Als Kind hatte sie Pippi Langstrumpf und Timmy aus „Lassie“ ihre Stimme geliehen. „Ich wollte schon immer Schauspielerin werden“, sagt die 62-Jährige. Dass sie einen Sprachfehler hatte – bei jedem „Sch“ habe sie gezischt – machte es ihr nicht leicht. Trotzdem stand sie schon mit zwölf auf der Bühne.

Von unsererMitarbeiterinIsabell Steinböck

Die Autobiografie „Wir können nicht alle wie Berta sein“, bildet den roten Faden des Abends, der das Leben der Künstlerin, die auch als „Tatort“-Kommissarin Klara Blum bekannt ist, beleuchtete. Als 15-Jährige nahm sie Regisseur Michael Verhoeven so für sich ein, dass er die Hauptrolle seines Anti-Kriegsfilm „o.k.“ für sie umschrieb. Der brutale Streifen brachte die junge Frau an ihre Grenzen. Als sie im Maschinengewehrfeuer lag, hielt Verhoeven tröstend ihre Hand. „So war der schlimmste Moment gleichzeitig der schönste.“

Mit 17 zog sie nach Hamburg und lernte Musikerin Irmgard Schleier kennen. Die begleitete Eva Mattes am Klavier, denn die Schauspielerin sang zwischendurch Lieder von Hans Albers oder Lale Andersen. In den 80-er Jahren hatten sie gemeinsam große Konzerte für die Friedensbewegung gegeben und verstehen sich bis heute als politische Künstlerinnen. „Wir dürfen Europa nicht aufgeben“, mahnt Schleier.

Dass Eva Mattes, die mit Regie-Größen wie Rainer Werner Fassbinder, Peter Zadek oder Margarethe von Trotta im Rampenlicht stand, so unprätentiös daherkommt, liegt vielleicht auch an der Familie. Star-Allüren konnte sich die Schauspielerin kaum leisten: 1991 zog sie nach Berlin und lebte mit zwei Kindern auf einer Baustelle, weil die Wohnung nicht fertig geworden war. Als ein Handwerker versehentlich die Wasserleitung anbohrte, flutete er auch die Nachbarwohnung. „Angesichts solcher Exzesse waren Proben reine Erholung.“



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