Mo., 20.03.2017

Weltstar auf der Heim-Bühne Ute Lemper fasziniert in Münster mit ihrem Programm nach Paulo Coelho

Eine singende Schamanin: Ute Lemper und ihre Handvoll Klasse-Musiker erzeugen Klänge zwischen Jazz und orientalisch anmutenden Volksmusik-Tönen. Ein Märchen in Liedern.

Eine singende Schamanin: Ute Lemper und ihre Handvoll Klasse-Musiker erzeugen Klänge zwischen Jazz und orientalisch anmutenden Volksmusik-Tönen. Ein Märchen in Liedern. Foto: Ruediger Woelk

Münster - 

Es haben sich zwei gefunden – Ute Lemper und Paulo Coelho. Der singende Weltstar aus Münster und der schreibende Weltstar aus Brasilien konnten sofort gut miteinander. Aus dieser Verbindung ist ein Programm entstanden, mit dem Lemper das Publikum im Großen Haus des Theaters Münster begeisterte.

Von Arndt Zinkant

Ute Lemper erzählt schwärmerisch zu Beginn ihres Konzerts, wie dessen Bücher sie auf einer Tournee in schlaflosen, Jetlag-gestörten Nächten begeistert hätten. La Lemper wählte aus, Maestro Coelho nickte beifällig – und bald war das Projekt „The 9 Secrets“ auf die Beine gestellt, das auf dem Buch „Die Schriften von Accra“ basiert. Im voll besetzten Großen Haus, wo Ute Lemper schon als Kind auf der Bühne stand, wurde es am Sonntag mit Standing Ovations gefeiert.

Dass der Sinnsucher Coelho bei der Kritik eher als trivial gilt, ist bekannt. „Was heißt Erfolg? Was ist die Liebe?“, so wird gefragt. „Die schärfste Waffe ist das Wort“ haucht Lemper als Erzählerin. Und wer nun meinte, hier würde etwas zu viel Esoterik auf die Musik gegossen, lag wohl nicht falsch. Wer dem entgegenhielt, dass auf höchstem Niveau musiziert wurde, lag mit Sicherheit richtig.

Fotostrecke: Ute Lemper im Theater Münster

Ute Lemper jedenfalls begibt sich in den Nahen Osten, wo die alten Märchen zu Hause sind. Wo Tempelruinen von vergangener Größe und Schönheit künden. Diese sind auch während des ganzen Abends auf der Leinwand präsent. Ziehende Wolken, Sonnenaufgänge und antike Säulen, die kein Geringer als Volker Schlöndorff in Szene gesetzt hat. Der sonst so intellektuelle Literaturfilmer bebildert die Coelho-Texte kulinarisch-konservativ.

Außergewöhnlicher Sound in Münsters Theater 

Und Ute Lemper wirft sich in all das mit Verve und Wonne. Sie haucht und zwitschert, röhrt und schmettert, rückhaltlos gefühlvoll und mit Gespür für den Effekt. Und die Effekte sitzen. Schon wenn das akustisch spröde Theater mittels Top-Soundtechnik plötzlich wie eine Kathedrale wirkt, ist die sakrale Aura im Saal perfekt. Ute Lemper wiegt sich darin wie eine Schamanin und hat ihre Handvoll Klasse-Musiker aus allen Winkeln der Welt zusammengeholt.

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Die liefern einen sanft groovenden Orient-Teppich mit Jazz-Ornamenten. Die „Hirtenflöte“ oder das Saxofon bürgen dafür. Lemper kann Geräusche wie „Sound-Effekte“ scatten, dass man staunt. Singt Englisch, Französisch oder Jiddisch.

Aber wenn es in die teils kecken, teils sanften Chanson-Gefilde gleitet, ist sie ganz und gar bei sich. Und die Heimatstadt Münster tut ein Übriges: „Sind die Lampions an der Decke noch dieselben wie in den Sechzigern, als ich hier bei König Drosselbart auf der Bühne stand?“

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