Mi., 26.04.2017

Kooperation beim Abfall Münster will Anteile an der Müllverbrennung in Hengelo erwerben

In dieser Anlage in Hengelo wird Münsters Müll verbrannt. Jetzt möchten die Abfallwirtschaftsbetriebe die Kooperation vertiefen.

In dieser Anlage in Hengelo wird Münsters Müll verbrannt. Jetzt möchten die Abfallwirtschaftsbetriebe die Kooperation vertiefen. Foto: Martin Borck

Münster - 

Münsters Müll wird in den Niederlanden verbrannt. Jetzt möchten die Abfallwirtschaftsbetriebe auch Miteigentümerin der kommunalen Anlage in den Niederlanden werden.

Von Klaus Baumeister

Die münsterischen Abfallwirtschaftsbetriebe Münster (AWM) streben eine Beteiligung an dem kommunalen Entsorgungsunternehmen Twence in Hengelo an. 14 niederländische Gemeinden, die an Twence beteiligt sind, haben grünes Licht für entsprechende Verhandlungen gegeben.

An Anfrage unserer Zeitung erklärte AWM-Chef Patrick Hasenkamp am Montag, dass beide Seiten bis Ende des Jahres handelseinig werden wollen. Sollte die Kooperation, für die ein Ratsbeschluss erforderlich ist, zustande kommen, wäre die Stadt Münster Miteigentümer jener Müllverbrennungsanlage, in der seit Beginn des Jahres Müll aus Münster verbrannt wird.

50.000 Tonnen sollen verwertet werden

Im Gespräch ist eine 15-prozentige Beteiligung. Um welche Summe es sich dabei handelt, steht laut Hasenkamp derzeit noch nicht fest. Auf jeden Fall diene die „öffentlich-rechtliche Zusammenarbeit“ zwischen Münster und der Region Twente dem Ziel, die bereits bestehende Geschäftsbeziehung zu verstetigen und nicht zuletzt das Verbrennen münsterischen Mülls dauerhaft abzusichern. Der aktuelle Vertrag sieht nach Informationen unter Zeitung vor, dass rund 50.000 Tonnen vorsortierter Müll aus Münster in Hengelo einer „energetischen Verwertung“ zugeführt werden, wie es heißt.

Derzeit läuft noch eine Anfrage der FDP-Landtagsfraktion beim Düsseldorfer Umweltministerium, ob der münsterische Weg bei der Abfallentsorgung mit den Vorgaben des Landes vereinbar sind. Wegen bestehender Überkapazitäten bei NRW-Müllverbrennungsanlagen sieht das Land Müllexporte ins Ausland nicht gern.

Gleichwohl geht der münsterische Nachhaltigkeitsdezernent Matthias Peck, selbst früher beim Umweltministerium beschäftigt, nicht davon aus, dass das Land einer Kooperation zwischen Münster und Hengelo einen Riegel vorschiebt.

Kritik an der Kooperation

Im Gegenteil: Hengelo sei nach Hamm die – aus münsterischer Perspektive – am schnellsten erreichbare Müllverbrennungsanlage. Da Hamm über keine freien Kapazitäten verfüge, so der Dezernent, sei Hengelo für Münster die erste Wahl.

Dr AWM-Chef ist zuversichtlich, dass der deutsch-niederländische Deal die erforderliche Ratsmehrheit erhält und darüber hinaus auch die anstehenden Gespräche mit dem Land positiv erlaufen. Dies um so mehr, als Münster in die Kooperation auch etwas einbringe könne. Gemeint ist die Müllsortieranlage in Coerde, die es in dieser Form beim Partner Twence nicht gebe.

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Da auch in den Niederlanden die Auflagen bei der Abfallentsorgung demnächst steigen, könne Coerde für die Niederländer ein interessanter Baustein der Entsorgung werden. Das Prinzip: Müll aus Hengelo wird in Münster sortiert. Müll aus Münster wird in Hengelo verbrannt.

Kritiker indes äußern die Befürchtung, das die deutsch-niederländische Kooperation einschließlich der Vorsortierung dem Ziel diene, die strengen Vorgaben bei der Hausmüllentsorgung in NRW zu umgehen.

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