Fr., 05.05.2017

Bildungsforum oder Musikcampus? Eine Einordnung der aktuellen Kulturdebatte in Münster

Die Musikhochschule am Ludgeriplatz ist zu klein. Die Universität wurde gern an der Einsteinstraße/Ecke Hittorffstraße einen Musikcampus bauen.

Die Musikhochschule am Ludgeriplatz ist zu klein. Die Universität wurde gern an der Einsteinstraße/Ecke Hittorffstraße einen Musikcampus bauen. Foto: Karin Völker

Münster - 

Die Idee eines Musikcampus mit einer städtischen Musikschule und einer universitären Musikhochschule unter einem Dach ist in der Welt, überdies auch die Idee einer großen, citynahen Kulturinvestition auf dem Parkplatz Hörsterstraße. Wie ist die Kulturdebatte einzuordnen? Wie schätzt der neue Uni-Rektor Prof. Johannes Wessels den Sachverhalt ein? 

Von Klaus Baumeister, Karin Völker

Aktuell geistern zwei Begriffe durch die Kulturlandlandschaft, bei denen viele nicht so genau wissen, was sich dahinter verbirgt – und in welchem (Konkurrenz-)Verhältnis sie zueinander stehen. Begriff Nummer eins: Kultur- und Bildungsforum auf dem Parkplatz Hörster­straße. Begriff zwei: Musikcampus an der Hittorfstraße. Hier der Versuch einer Einordnung der sich dahinter verbergenden Debatte.

► Das Kultur- und Bildungsforum auf dem Parkplatz Hörsterstraße wurde angestoßen von dem Architekten Hanno Höyng und dem Hauseigentümer Christoph Deckwitz. Sie streben einen Gebäudekomplex an, in dem unter anderem die Volkshochschule Münster und die Westfälische Schule für Musik untergebracht werden. Darüber hinaus ist ein Tagungs- und Konzertsaal geplant, der auch als Spielstätte für das Sinfonieorchester Münster dienen soll. Sympathien für dieses Konzept hegen der Förderverein des Sinfonieorchesters sowie führende Grüne.

►  Der Musikcampus ist eine Idee der Universität Münster sowie des münsterischen Oberbürgermeisters Markus Lewe (CDU). Das Konzept sieht eine bauliche Zusammenfassung der bei der Uni angesiedelten Musikhochschule sowie der Westfälischen Schule für Musik (eine städtische Einrichtung) vor. An dem angedachten Standort Hittorfstraße (der aber nicht unumstößlich ist), soll überdies ein Kongress- und Konzertsaal entstehen.

►  Der Hintergrund: Ausgelöst wurden die Überlegungen nicht zuletzt durch konkrete Zwänge. Die Musikhochschule am Ludgeriplatz leidet unter Platzproblemen. Da überdies eine Zusammenlegung mit dem Universitätsinstitut für Musikpädagogik beschlossen ist, stellt sich die Frage eines neuen Standortes. Auch die Volkshochschule ist nicht optimal untergebracht. Entweder muss der angestammte Standort im Aegidiimarkt umfassend umgebaut werden oder aber es muss ein neuer Standort her. Zu guter Letzt sind auch die aktuellen Probenräume des Sinfonieorchesters grenzwertig, so dass sich die Frage stellt, wo künftig der Probenbetrieb organisiert werden soll.

►  Offene Fragen: Das Konzept für den Parkplatz Hörsterstraße wurde bislang ohne Einbeziehung der Musikhochschule entwickelt. Bei dem Konzept Musikcampus ist offen, ob eine Inte­gration des Sinfonieorchesters machbar und angestrebt ist.

►  Weiteres Verfahren: Weitaus wichtiger als die Standortfrage ist die Frage, welche Zielsetzungen die beiden Konzepte verfolgen. Mit einer Zusammenführung von Musikschule und Volkshochschule in einem Gebäude könnte die Stadt verschiedene Formen der kulturellen Bildung zusammenführen. Eine Zusammenfassung von Musikschule und Musikhochschule wäre gleichbedeutend mit einer Stärkung der Musik und überdies ein Pilotprojekt bei der Zusammenarbeit der Stadt mit der Universität. Würden Musikschule, Musikhochschule und Sinfonieorchester in ein gemeinsames Gebäude ziehen, so würde Münster sicherlich eine bundesweit einmalige Einrichtung beherbergen.

►  Standort und Konzept: Grundsätzlich ist die Standortfrage unabhängig davon zu betrachten, welches Konzept dort umgesetzt wird. Wohl aber ist davon auszugehen, dass am Standort Hörsterstraße primär die Stadt das Sagen hätte, am Standort Hittorfstraße die Uni.

►  Finanzierung: Sie ist in beiden Fällen nicht geklärt. Grundsätzlich kann man aber festhalten, dass ein Finanzierungskonzept unter Beteiligung der Uni die besseren Chancen hat.

Neue Säle im Land

Prof. Franz Xaver Ohnesorg ist ein profunder Kenner der Ansprüche, die moderne Konzertsäle heute mit ihren architektonischen und akustischen Qualitäten erfüllen. Der Gründungsintendant der Kölner Philharmonie und Intendant des Klavierfestivals Ruhr spricht am 15. Mai auf Einladung der Freunde und Förderer des Sinfonieorchesters Münster zum Thema „Neue Säle hat das Land“. Beginn des öffentlichen Gespräches ist um 17 Uhr  im Oberen Foyer des Theaters Münsters. Der Eintritt ist frei. 

Vom Kleinkind bis zum Konzertvirtuosen

Uni-Rektor wirbt weiter für die Idee eines Musikcampus

Ein konkretes Planungs- und Finanzierungskonzept für den geplanten Musikcampus liegt noch in weiter Entfernung. Das ist für Universitäts-Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels aber kein Grund, nicht weiter auf das Projekt zu setzen. Im Gegenteil: „Wir können in aller Ruhe Vorstellungen entwickeln, was zu einem Musikcampus gehören müsste und welcher Partner welchen Bedarf hat.“

Wie berichtet, favorisiert die Universität die Idee, an der Ecke Einsteinstraße/Hittorfstraße einen Neubau für die Musikhochschule und ein Kongress-Zentrum mit verschiedenen Tagungsräumen für rund 1500 Personen zu errichten. Die Stadt könnte mit ihrer städtischen Musikschule (Himmelreichallee) in das Projekt einbezogen werden, der Kongress-Saal könnte bei entsprechender technischer Ausstattung auch als Konzertsaal angelegt werden. So wäre die Universität in die Lage versetzt, größere internationale Kongresse an einem zentralen Ort auszurichten.

Reizvoller Standort nahe des Coesfelder Kreuzes

„Mit unseren aktuellen Kapazitäten sind wir an unsere Grenzen gestoßen“, betont Johannes Wessels. Die Stadt Münster hätte damit ein Stätte für hochrangige Konzerte, das städtische Sinfonieorchester angemessene Übungsräume. Bekanntlich gibt es die konkurrierende Idee, auf dem Parkplatz Hörsterstraße ein Kultur- und Bildungsforum für die Stadt mit Musikschule, Volkshochschule und Räumen für das Orchester zu errichten. Die Initiatoren, an der Spitze der Architekt Hanno Höyng, kritisieren bei dem Uni-Projekt die Lage des Konzertsaals an der vermeintlichen Peripherie der Innenstadt. Rektor Wessels unterstreicht dagegen, dass Höyings Idee für die Universität unrealistisch sei. „Allein für unseren Bedarf ist das Gelände zu klein, von einer Gesamtlösung inklusive der städtischen Musikschule ganz zu schweigen“, sagt er.

Weitere Vorteile des Standorts nahe des Coesfelder Kreuzes seien die Tatsachen, dass das Grundstück in Landesbesitz sei und dass es in unmittelbarer Nähe ein großes Parkhaus gebe. Momentan steht hier noch das alte Gebäude der Pharmazie, das abgerissen werden soll.

Im vergangenen September hatte Wessels mit seiner Amtsvorgängerin Ursula Nelles und Oberbürgermeister Markus Lewe eine Absichtserklärung unterschrieben, das Projekt Musikcampus gemeinsam zu entwickeln. Die Zusammenlegung von Musikhochschule und städtischer Musikschule ist für Wessels besonders reizvoll und deutschlandweit vermutlich einzigartig: ein Ort, wo sich Konzertvirtuosen beim Studium und Kleinkinder bei der musikalischen Früherziehung begegnen könnten.

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