Sa., 06.05.2017

Rücktritt des Schatzmeisters Mühlenhof kämpft ums Überleben

Eine neue Remise wird auf dem Nebengelände des Freilichtmuseums Mühlenhof aufgebaut (v.l.): Peter Ueding, der 1. Baas Georg Berding, Ralf Landwerth (Kappel Bauunternehmungen) und der 2. Baas Dr. Markus Johow packen mit an.

Eine neue Remise wird auf dem Nebengelände des Freilichtmuseums Mühlenhof aufgebaut (v.l.): Peter Ueding, der 1. Baas Georg Berding, Ralf Landwerth (Kappel Bauunternehmungen) und der 2. Baas Dr. Markus Johow packen mit an. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Der Mühlenhof schreibt rote Zahlen. In diesem Jahr ist zudem der von der Stadt Münster gewährte Überlebenskredit über 150 000 Euro fällig. Dazu kommt: Die Verantwortlichen sind sich nicht einig, wie das Freilichtmuseum am Aasee weiterhin existieren kann.

Von Ralf Repöhler

Der Mühlenhof kämpft erneut um das finanzielle Überleben. Doch ausgerechnet jetzt gibt es bei den Verantwortlichen völlig unterschiedliche Auffassungen darüber, wie das Freilichtmuseum überhaupt weiterhin existieren kann.

Schatzmeister Hermann Brück ist in dieser Woche nach nur wenigen Monaten im Amt zurückgetreten, weil der 1. Baas Georg Berding und dessen Stellvertreter Dr. Markus Johow den unter anderem von Brück und dem Unternehmer Wolfgang Fritsch-Albert geforderten Weg in ein „gesteuertes Insolvenzverfahren“ nicht mitgehen werden.

"

Auf dem Mühlenhof hapert es finanziell, baulich und konzeptionell.

Hermann Brück, zurückgetretener Schatzmeister

"

„Der Mühlenhof ist nicht zahlungsunfähig. Wir werden uns für unser schutz­befohlenes Personal ein­setzen, die Verträge einhalten und die Lieferanten nicht hängen lassen“, bezieht sich Johow auf eine Beurteilung der finanziellen Lage durch ein Steuerberatungsbüro und eine Rechtsanwalts­gesellschaft. Der Finanz­berater von Brück sieht das indes vollkommen anders.

Die Bilanz des Jahres 2016 schlägt mit einem Minus von 150 .000 Euro ins Kontor, was auch an der Einigung mit dem früheren Geschäftsführer liegt. Die größte Sorge bei der finanziellen Schief­lage ist der vor zwei Jahren gewährte Überlebenskredit von der Stadt Münster über 150 .000 Euro, der fällig ist.

Berding und Johow suchen kommende Woche das Gespräch mit den Fraktionen. Der Rat soll am 17. Mai darüber entscheiden, ob der Fälligkeitszeitpunkt hinausgeschoben werden kann. „Wenn der Kredit fällig werden würde, ist in der Tat Schluss“, räumt Berding ein.

Neue Remise wird aufgebaut

Trotz aller finanziellen Sorgen wird auf dem Mühlenhof angepackt. Auf der nebenliegenden Bauhoffläche wird gerade mit viel Eigenleistung und Spenden eine neue Remise aufgebaut, für die es bereits im Jahr 2013 einen offiziellen Spatenstich gegeben hatte. Das Außenlager in Wolbeck wird nicht zuletzt aus Kostengründen aufgegeben. Die alte und mit Stahlrohren abgestützte Remise am Eingang muss freigeräumt werden, für eine Renovierung gibt es noch keine finanzielle Deckung. Das Torhaus wird mit Glaselementen geöffnet. Die Besucher werden in einem Hofladen Gemüse kaufen können.

Dazu kommt die ausgeschöpfte Kreditlinie bei der Sparkasse über 50 .000 Euro, die in Abhängigkeit mit dem städtischen Darlehen zu sehen sei, sagt Johow. Weiter drücken alte Verbindlichkeiten, Zinsen und Tilgungen. Insgesamt mehrere Zehn­tausend Euro. Aber es gebe frisches Geld durch über 30. 000 Euro an Spenden.

Für Brück, der ein großes finanzielles Engagement in Aussicht gestellt hatte, läuft die Geschäftspolitik in die falsche Richtung. „Auf dem Mühlenhof hapert es finanziell, baulich und konzeptionell“, sagt er. Johow betont, dass mehrere Schritte für eine Kostenoptimierung eingeleitet worden seien. So ­seien die von Brück als „zu hoch“ kritisierten Personalkosten bereits um 15 Prozent gesenkt worden, 15 feste Mitarbeiter arbeiten noch für das Freilichtmuseum. ­Alte Verträge seien als Kostentreiber geändert worden, so seien die Versicherungs­kosten um die Hälfte auf 10. 000 Euro pro Jahr reduziert worden. Rat und Stadt soll eine „überzeugende Liquiditäts- und Budgetplanung für die kommenden Jahre vorgelegt werden“, so Johow.

Ein Bestandteil wird die Liste der festen Buchungen für das laufende Jahr sein. Die Auftragsbücher seien voll. Danach werden bis Dezember 12 .900 Gäste durch solche Veranstaltungen den Mühlenhof besuchen. 80 .000 Besucher zählt das Museum im Jahr.

Ein Kommentar zum Thema

Wieder droht das Aus: Das haben die Mitarbeiter auf dem Mühlenhof nicht verdient. Nach nur zwei Jahren steht Münsters Freilichtmuseum erneut vor dem finanziellen Kollaps. Und wieder sind sich die Verantwortlichen nicht einig über den Rettungsweg. Selbst die eingeschalteten Berater beurteilen die Lage unterschiedlich, ob der Mühlenhof in die Insolvenz gehen muss. Die Vorstandsspitze ist nicht zuletzt mit dem Blick auf die vielen Buchungen 2017 davon überzeugt, dass der Hof auch ohne geordnete Pleite eine Zukunft hat. Nachdenklich macht, dass der Schatzmeister das völlig anders sieht und deshalb zurückgetreten ist.

Münsters Politik muss wieder mal über die Zukunft des Mühlenhofes entscheiden. Verlängert sie den Kredit über 150 000 Euro nicht, ist das Freilichtmuseum am Ende. Das Fachwerkdorf würde an die Stadt fallen, für die der weitere Unterhalt ein Fass ohne Boden wäre. Die Frage nach dem richtigen Zukunftskonzept ist so relevant wie nie zuvor. - Ralf Repöhler

Mehr zum Thema



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4813336?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F