Mi., 10.05.2017

Nach Spesenskandal Sparda-Bank: Aufsichtsrat legt Ämter nieder

Der Aufsichtsrat der Sparda-Bank Münster wird seine Ämter niederlegen.

Der Aufsichtsrat der Sparda-Bank Münster wird seine Ämter niederlegen. Foto: Klaus Wiedau (Symbolbild)

Münster - 

Die Sparda-Bank Münster kommt nicht zur Ruhe: Am Dienstagabend teilte das Geldinstitut mit, dass alle Aufsichtsratsmitglieder ihre Ämter niederlegen werden.

Von Norbert Tiemann

Dieser Schritt steht offenbar im Zusammenhang mit den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen, die sich seit Mitte 2015 gegen den früheren Vorstandsvorsitzenden Enrico Kahl richten, der im Verdacht steht, in großem Stil Spesenbetrug begangen zu haben.

Im März war bekannt geworden, dass die Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft Bielefeld  diese Ermittlungen erheblich ausgeweitet hat – eben auch gegen Mitglieder des Sparda-Bank-Vorstandes und gegen Mitglieder des Aufsichtsrates, ebenfalls wegen Untreue-Verdachts. Zeitgleich fanden seinerzeit an rund 20 Orten Hausdurchsuchungen statt. Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft Bielefeld werden die dabei sichergestellten Dokumente noch immer gesichtet und die Vorwürfe mit den jeweils Verdächtigen erörtert.

Vorwurf: Spesenbetrug im höheren sechsstelligen Bereich

Noch immer ist nicht ersichtlich, wann diese Ermittlungen abgeschlossen sein könnten. Das gilt sowohl für den erweiterten Kreis der Beschuldigten, aber auch für das Verfahren gegen den früheren Vorstandsvorsitzenden, dem inzwischen Spesenbetrug im Umfang eines höheren sechsstelligen Betrages vorgeworfen wird.

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Der Beginn: Auf Fragen unserer Zeitung teilte Enrico Kahl im Oktober 2015 mit,  dass der Aufsichtsrat der Sparda-Bank Münster ihm am Wochenende fristlos gekündigt hat. Angeblich geht es um Spesen-Belege.

Bielefeld übernimmt: Die bislang federführende Staatsanwaltschaft Münster hat die Akten  an die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bielefeld abgetreten.

Chronologie: Schon zu Beginn der Ermittlungen überschlugen sich die Ereignisse. wie unsere  Chronologie zeigt.

Aus Ermittlerkreisen verlautete, es stehe der Verdacht im Raum, dass einzelne Mitglieder des Aufsichtsrates die Bank womöglich als eine Art Selbstbedienungsladen gesehen und sich jenseits der verabredeten Vergütung zusätzliche Vergünstigungen verschafft hätten. Diesen Vorwurf gibt es auch gegenüber dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden, der private Feiern, Reisen und Veranstaltungsbesuche diverser Art über die Bank abgerechnet haben soll.

Aufsichtsrat wird komplett neu besetzt

Wie die Bank mitteilt, stehen sämtliche ausscheidenden Aufsichtsratsmitglieder für eine Wiederwahl nicht zur Verfügung. Der Aufsichtsrat habe, so die Bank, die Aufarbeitung des im Jahr 2015 bekannt gewordenen Deliktfalls des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Kahl, beginnend mit dessen vorläufiger Suspendierung im Oktober 2015, aktiv begleitet und vorangetrieben. Gemeinsam mit dem amtierenden Vorstand habe der Aufsichtsrat die Weichen für eine vollständige Aufarbeitung der Vergangenheit gestellt.

Mit der Neubesetzung des Aufsichtsrats sollen nun der eingeschlagene Weg und die eingeleitete strategische Neuausrichtung der Sparda-Bank Münster fortgesetzt werden.



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