Do., 11.05.2017

Folkwang-Tanzstudio zeigt bei „Tanz NRW“ im Pumpenhaus Choreographie des Spaniers Iker Arru Das Miteinander auf der Baustelle

Das Miteinander zwischen Anziehung und Ablehnung, zwischen Ausgrenzung und Vereinnahmung ist das Thema der Choreographie „Plummet“.Kurnosova

Das Miteinander zwischen Anziehung und Ablehnung, zwischen Ausgrenzung und Vereinnahmung ist das Thema der Choreographie „Plummet“.Kurnosova

Münster - 

„Plummet – a sharp dive down in 3 acts“ nennt der Spanier Iker Arrue seine Choreographie, die er mit dem Folkwang-Tanzstudio am Mittwoch im Pumpenhaus aufführte. Soziale Ausgrenzung und die Unfähigkeit, sich von der Vergangenheit zu lösen, sind die Themen, denen sich die acht Tänzerinnen und Tänzer widmen.

Von Helmut Jasny

Der Auftakt gestaltet sich fast ein bisschen gespenstisch. Im fahlen Licht sieht man zwei Körper regungslos auf der Bühne liegen. Dann öffnet sich rechts eine hell beleuchtete Kammer, in der eine Frau mit fernöstlich anmutenden Bewegungen zu tanzen beginnt. Das geht ein paar Minuten so, bis die Tänzerin wieder im Dunkel verschwindet. In der Folge werden auch die beiden Körper von der Bühne geschleift.

„Plummet – a sharp dive down in 3 acts“ nennt der Spanier Iker Arrue seine Choreographie, die er mit dem Folkwang-Tanzstudio am Mittwoch im Pumpenhaus aufführte. Soziale Ausgrenzung und die Unfähigkeit, sich von der Vergangenheit zu lösen, sind die Themen, denen sich die acht Tänzerinnen und Tänzer widmen. Ästhetisch nimmt Arrue Anleihen bei der japanischen Kampfkunst Aikido, die er mit zeitgenössischem Tanz kombiniert. Zudem arbeitet er mit dem Licht, indem er es den Tänzern vorenthält, und mit Bewegungen, die oft etwas Verhaltenes an sich haben.

Langsam schieben sich die Protagonisten über die Bühne und schauen einander ängstlich in die Augen, bis eine der Tänzerinnen es nicht mehr erträgt und einen Schrei ausstößt. Später wird sie sich von der Gruppe absondern und ihr Anderssein in einem Solo ausleben. Dies wird von den anderen aber offenbar nicht gewollt, sodass diese sang- und klanglos von der Bühne verschwindet, bis nach einiger Zeit eine Kollegin ihren Part übernimmt und sich ihrerseits individualisiert.

Erfreulicherweise wird die düstere Grundstimmung mehrmals aufgebrochen. Und zwar auf höchst abrupte und unvorhergesehene Weise. Dann fliegen Mauersteine auf die Bühne, und die trübe Szenerie verwandelt sich in eine geschäftige Baustelle. Die Musik wird flotter, das Licht heller, und alle fangen mit eleganten Sprüngen und weit ausgreifenden Armen zu tanzen an. Wie gut gelaunte Bauarbeiter werfen sie sich Steine zu, hantieren mit Balken und treiben auch sonst allerlei Späße. Aber ebenso schnell, wie der fröhliche Spuk entstanden ist, verschwindet er auch wieder. Und am Ende steht wieder die Anfangsszene mit den beiden Liegenden.

Eine gelungene Choreographie, die inhaltlich nicht immer leicht zu greifen ist, in ästhetischer Hinsicht aber voll überzeugt – nicht zuletzt wegen der hervorragenden tänzerischen Leistung und der teils bizarren Bilder.



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