So., 14.05.2017

Das Folkwang-Tanzstudio präsentiert seine ganze schöpferische Bandbreite Sensibel und faszinierend

Wie eine Bewegungsstudie wirkt diese Choreografie des Folkwang-Tanzstudios.

Wie eine Bewegungsstudie wirkt diese Choreografie des Folkwang-Tanzstudios. Foto: Ursula Kaufmann

Münster - 

Er wiegt seinen Körper hin und her, gleitet mit weichen, schaukelnden Bewegungen über die Bühne, zeigt kleine, schnelle Handbewegungen und große Armschwünge. Bis in kleinste Gesten perfekt wirkt der Ausdruck dieses wendigen Tänzer-Choreografen in seinem Solo „Barke“. Trotz seines langen Körpers wirkt er in leisen Momenten plötzlich ganz klein und rührend verletzlich.

Von Isabell Steinböck

Stephan Brinkmann, Professor für zeitgenössischen Tanz an der Essener Folkwang Universität, ist der wohl herausragendste Künstler des „Folkwang Tanzabends spezial“. In sieben Soli und Duetten brachte das Ensemble ein abwechslungsreiches Programm auf die Bühne des Pumpenhauses, das in einer Stunde sehr kurze, abstrakte Choreografien („Nous deux“, „Morning“) von Malou Airaudo und Giulia Nicoletti („Lavanda Gastrica“) ins Rampenlicht rückte – Stücke, die an Bewegungsstudien denken lassen. Faszinierender sind Choreografien, die sich assoziativ füllen lassen. Etwa das Duo „Soléy léve“ von Kai Strathmann, ein Tanzstück, das mit Musik von Dead Can Dance („Song of the Stars“) und gekonnt eingesetzter Lichttechnik Szenen inszeniert, die urtümlich und animalisch wirken. Ein riesenhafter Schatten prangt an der Wand wie ein Totem. Es ist die Silhouette von Giulia Nicoletti, die sich kriechend, fallend und rollend über den Boden bewegt. Zeitversetzt stimmt Jordan Gigout in die Choreografie ein, ein personifizierter Schatten Nicolettis, deren Bewegungen eine mitreißende Dynamik entwickeln.

Großartig das Solo „Johnny“ von Simon Wolant (Choreografie: Giorgia Maddamma). Mit wechselnden Skateboards gelingt eine akrobatische Choreografie, die auf kunstvolle Weise mit den Objekten spielt. Mal lässt sich der Tänzer langsam auf Rollen dahintreiben, mal steht er einhändig auf dem Board. Wenn er einen Salto schlägt, scheint er den Gegenstand selbst zu imitieren. Ein weiterer Höhepunkt findet sich im letzten Stück, „Try Zwei“. Giorgia Maddamma und Stephan Brinkmann setzen die Vision untrennbar miteinander verbundener Individuen um. Wohin der Weg den Tänzer auch führt, seine Partnerin lässt sich nicht abschütteln. Gegenseitige Unterstützung und Treue finden Ausdruck in vielen kleinen Szenen – eine sensible Choreografie.



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