Sa., 17.06.2017

Schwere Maschinen und mehr Motorradtage Münster: „Hier läuft alles auf“

James Goldhagen ist seit drei Jahren erster Vorsitzender des Vereins „Mot-Treff-Kotten e.V.“. Auf dem Vereinsgelände in Coerde sind die Motorradtage zu Hause.

James Goldhagen ist seit drei Jahren erster Vorsitzender des Vereins „Mot-Treff-Kotten e.V.“. Auf dem Vereinsgelände in Coerde sind die Motorradtage zu Hause. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Die „Motorradtage Münster“ sind das größte Treffen dieser Art in der Region. 1981 wurde sie gegründet, ein Mal fielen sie wegen Umzugs ins Wasser – jetzt wird die 36. Auflage gefeiert. Der Vereinsvorsitzende James Goldhagen erzählt, wie die Sache läuft.

Der Klang schwerer Maschinen auf dem Prinzipalmarkt? Wie Musik. Das Aroma von Motor und Lederkluft? Wie Parfüm. Das Gemeinschaftsgefühl auf dem Platz und auf der Straße? Unvergleichlich. Zum 36. Mal finden derzeit die „Motorradtage Münster“ statt, das größte Treffen dieser Art in der Region. Kein Wunder, dass der Vorstand des Gastgeber-Vereins „Mot-Treff-Kotten e.V.“ in Coerde alle Hände voll zu tun hat. Unser Redakteur Lukas Speckmann sprach mit dem Vorsitzenden James Goldhagen.

Wie viele Besucher erwarten Sie?

Goldhagen: Das ist immer eine spannende Frage. Selbst wenn alle aktiven Teilnehmer auf Tour sind, ist unser Gelände oft noch brechend voll mit Besuchern. Ich schätze: 300 Aktive und ein paar Tausend Gäste.

Wer sind die Aktiven?

Goldhagen: Die, die mit ihren Motorrädern an den Wettbewerben teilnehmen, also an der Kennenlern-Fahrt, der Aufgaben- und Orientierungsfahrt und am Trial-Wettbewerb im Gelände. Einige campen auch bei uns auf der Wiese, da werden etwa 50 Zelte aufgebaut. Wir haben Aktive aus allen Teilen Deutschlands, einige kommen aus dem Ausland.

Fotostrecke: Motorradtage

Mopedfahrer haben hier nichts zu suchen?

Goldhagen: Hier läuft alles auf: Vom Pocket-Bike über Gespanne bis zum Oldtimer. Chopper, Enduros, Tourenfahrer, Rennmaschinen und auch Roller – alle sind willkommen.

Kommen denn auch alle?

Goldhagen: Kann man sagen. Männer und Frauen, Führerschein-Neulinge bis Über-70-Jährige, vom Handwerker bis zum Vorstandsvorsitzenden – alle mit Freude am Fahren. Und natürlich Besucher ohne Motorrad, die Spaß an der Atmosphäre haben, auch Familien mit Kindern!

Und denen geht es ums Gucken und Feiern?

Goldhagen: Nicht nur, wir bieten neben tollen Ausfahrten auch jede Menge Austausch und Informationen an. Wir haben GTÜ und die Polizei vor Ort, Fahrschulen und Händler, die zur Probefahrt einladen. Es gibt praktische Tipps und Hinweise zur Sicherheit oder zum Verkehrsrecht. Und was das Feiern betrifft: Alkohol gibt es bei uns erst ab 18 Uhr, am Freitag wegen der Abendausfahrt erst ab 21 Uhr. Wir sind schließlich ein „Verein zur Förderung der Sicherheit motorisierter Zweiradfahrer“.

Immer schon gewesen?

Goldhagen: Der Verein ist Anfang der 80er-Jahre aus dem Jugendtreff in Kinderhaus entstanden. Da gab es viele, die auch an ihren Mofas geschraubt haben. Das war ja früher auch noch viel einfacher, als nicht überall ein Computer drin war. Dabei war es auch wichtig, dass keine unerlaubten Änderungen vorgenommen wurden. Dieses Team hat dann eine Orientierungsfahrt organisiert, die es so ähnlich auch heute noch gibt. Daraus sind der Verein und die Motorradtage geworden.

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Woran orientiert man sich dabei?

Goldhagen: An der Landschaft. Man muss mit offenen Augen durch die Gegend fahren, langsam und aufmerksam, und kniffelige Aufgaben lösen. Und in diesem Jahr gibt es für den Gewinner der Orientierungsfahrt einen richtig wertvollen Preis!

Die Touren finden in der näheren Umgebung statt?

Goldhagen: Die meisten im Umkreis von 100 Kilometern rund um Münster. Das ist nicht nur flach. Wir haben Teilnehmer aus Süddeutschland, die sagen nach den Touren: Wir hätten nicht gedacht, dass es hier so schöne Kurven gibt  . . .

Um Geschwindigkeit geht es dabei nicht?

Goldhagen: Am Gashahn zu reißen, ist keine Kunst. Wer heizen will, sollte es auf der Rennstrecke tun. Motorradfahren ist einfach ein unglaublich schönes Erlebnis, wenn man so frei durch die Natur fährt und den Fahrtwind spürt.

Motorradfahrer als laute, rüpelhafte Raser – was sagen Sie zu dem Image?

Goldhagen: Wir bekommen nur sehr selten negative Rückmeldungen. Im Gegenteil, wir erleben, dass Leute an der Korsostrecke ihren Garten schmücken und uns zujubeln, wenn wir vorbeifahren. Jeder ist stolz auf sein Motorrad, und jeder will ein positives Bild hinterlassen. Schade, wenn dann mal einer den dicken Max markieren will und ein Burnout mit seinem Hinterreifen macht. Das muss nicht sein in der Stadt; das ist auch nicht unsere Klientel.

Was ist der Höhepunkt des viertägigen Programms?

Goldhagen: Definitiv der Motorradkorso am Sonntag um 12.30 Uhr von Finke zum Prinzipalmarkt und die anschließende Siegerehrung um 13 Uhr. Wenn da ein paar Hundert Motorräder vorfahren, ist das ein irres Gefühl. Eine unglaubliche Soundkulisse. Anschließend geht es zum Mittagessen zurück zum Kotten. Und nur zum Kotten; es ist wichtig, dass auf diesem Rückweg niemand ausschert, sonst gibt es ein Durcheinander auf der Straße. Wer nicht mitkommen möchte, wartet dort, bis wir weg sind.

Gefeiert wird aber schon am Samstag?

Goldhagen: Zunächst ein ökumenischer Wortgottesdienst. Den feiern wir auf einer Wiese hinter der Remise: Es gibt eine Band für die Kirchenlieder, und die Helme werden in Kreuzform hingelegt. Da kommen manchmal Leute neugierig mit ihren Kaffeetassen vorbei, die sonst nie zur Kirche gehen. Der evangelische Pfarrer ist übrigens selbst Motorradfahrer. Und anschließend wird gefeiert: mit DJ, Lagerfeuer und Tombola.

Was machen Sie eigentlich bei schlechtem Wetter?

Goldhagen: Es gibt kein schlechtes Wetter . . .

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