Fr., 16.06.2017

Stadt räumt Skulpturen Künstler will nachträglich Genehmigung beantragen

Die Skulptur von Christian Nachtigäller wurde vom Ordnungsamt der Stadt Münster entfernt – wegen der „Verkehrssicherungspflicht“.

Die Skulptur von Christian Nachtigäller wurde vom Ordnungsamt der Stadt Münster entfernt – wegen der „Verkehrssicherungspflicht“. Foto: Gerhard H. Kock

Münster - 

Die Skulptur-Projekte 2017 locken andere Künstler an. Wer jedoch dauerhaft beachtet werden will, der benötigt eine Genehmigung des Ordnungsamtes. Das musste jetzt ein Telgter schmerzlich erfahren.

Von Gerhard H. Kock

Es ist das Schicksal der Anarchisten und Unruhe-Stifter, dass sie mit den Ordnungskräften in Konflikt geraten. Dabei will der geborene Münsteraner Christian Nachtigäller nur spielen. Doch bei der Wahrung der öffentlichen Sicherheit hören Kunst und Spaß auf. Nach lediglich rund 48 Stunden wurde das Relief des Künstlers mit der dezidiert politischen Botschaft auf dem Rasen an der Promonade (Ludgeriplatz) entfernt.

Wie Pressesprecherin Monika Bitter für die Stadt Münster mitteilt, „entfernt die Stadt nicht genehmigte Objekte aus öffentlichen Grünanlagen aus Gründen der Verkehrssicherheit“. Die Stadt sei da „schlichtweg in der Verantwortung“. Für unbekannte und vor allem ungeprüfte Aufbauten und Gegenstände jedweder Art, seien sie nun Skulpturen oder nicht, könne die erforderliche Verkehrssicherungspflicht nicht gewährleistet werden.

Auch die „Toiletten-Installation“ wird vom Aasee geholt

Das grundsätzliche Verfahren gilt auch während der Skulptur Projekte 2017. Neben der Puppe, die mit blonder Mähne und bunter Sonnenbrille wie Panikrocker Steffi Stephan aussah, unweit der Brunnenanlage von Nicole Eisenman an der Kreuzschanze sowie dem „bildnerischen Kommentar“ am Train-Denkmal wird daher in den nächsten Tagen die „Toiletten-Installation“ ebenfalls vom Aasee geholt. Für zwei Wochen lagert die Stadt die bisher entfernten Gegenstände ein.

Künstler trägt's mit Fassung

Der mit seiner Familie mittlerweile in Telgte lebende Nachtigäller trägt das Entfernen mit Fassung. Immerhin stand seine Installation länger als seine legendäre Silberne Leeze bei den Skulptur-Projekten 1997 vor den silbernen Oldtimern von Nam June Paik vorm Schloss. Das Rad blieb nur Minuten. Christian Nachtigäller will in der nächsten Woche seine Skulptur von 2017 wieder abholen und versuchen, ob er dafür eine Genehmigung bekommt.

Zunächst war geargwöhnt worden, die Skulptur-Projekte hätten die wilde Kunst entfernen lassen. Korrespondiert die USA-Kritik doch mit dem Train-Denkmal, dass an die Kolonialkriege erinnert. Auf eben dieses Mahnmal bezieht sich der „Stein“ von Lara Favaretto, die übrigens einen Schlitz für Spenden enthält. Die gesammelten Spenden gehen nach dem Ende der Skulptur-Projekte an eine Stiftung, die seit 1996 Geflüchtete in einer sogenannten Unterbringungseinrichtung für Ausreisepflichtige betreut. Die in Nähe der Kleinstadt Büren auf dem Land gelegene Einrichtung ist für Geflüchtete in ganz Nordrhein-Westfalen zuständig.

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Wann die Skulptur-Projekte zugestellte Kunstwerke entfernen:

Die Skulptur-Projekte entfernen zugestellte Kunstwerke nur dann, so Pressesprecherin Jana Duda, „wenn wir das Gefühl haben, dass die fremden Kunstwerke unseren Werken räumlich zu nahe kommen, also die Wirkung unserer Werke beeinflussen“. So seien zum Beispiel am Freitag auf dem Überwasserfriedhof die Bäume mit den Masken von Hervé Youmbi mit Zeichnungen behängt worden. „Die Zeichnungen kamen der Arbeit räumlich einfach zu nahe. Sie wurden von unserem Mitarbeiter aus dem Team der Aufsichten entfernt und liegen zur Abholung unter dem schlafenden Löwen.“

Kommentar zum Thema

Es darf ruhig kritisch werden: Eine Woche Skulptur-Projekte: Es läuft für die Organisatoren. Die Münsteraner sind neugierig, kunstinteressiert und strömen in Massen. Das Wetter ist ja entsprechend. Allüberall lassen sich Sprachen aus aller Welt hören, die Stimmung ist weder ablehnend noch euphorisch, dafür fröhlich und angesichts einiger Warteschlangen erstaunlich gelassen.

Auch die ersten Reaktionen aus der nationalen Presse sind mehr als freundlich: Immer wieder heißt es, Münster ist besser als die Documenta in Kassel. Die Macher der Skulptur-Projekte scheinen alles richtig gemacht zu haben: keine Skandale, kein Event – vom Sinnespark mit Barfußgang am Hafen mal abgesehen. Einzig was fehlt, ist die kritische Auseinandersetzung. Aber so sind sie, die Skulptur-Projekte: Man muss sich erst Mal mit ihnen auseinandersetzen. - Gerhard H. Kock

 

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