Sa., 17.06.2017

Nachbarn klagen vor dem Amtsgericht Wieder wächst der Müllberg

Ingrid Peters blickt vom Balkon ihres Schlafzimmers auf den Nachbargarten, in dem sich wieder der Müll türmt.

Ingrid Peters blickt vom Balkon ihres Schlafzimmers auf den Nachbargarten, in dem sich wieder der Müll türmt. Foto: Karin Völker

Münster - 

Nach der Zwangsräumung des vermüllten Grundstücks am Althausweg im vergangenen Jahr, hat der Eigentümer wieder Müllberge im Garten angehäuft. Die Nachbarn versuchen nun, am Amtsgericht eine erneute Räumung einzuklagen.

Von Karin Völker

Der Sommer ist für Ingrid und Heinrich Peters auch in diesem Jahr wieder keine gute Zeit. Denn direkt hinter dem Gartenzaun ihres Reihenhauses am Althausweg in Kinderhaus wächst erneut ein veritabler Müllberg. Der Nachbar, Eigentümer des Hauses, sammelt dort notorisch Abfall, türmt Müllsäcke, gammelige Matratzen und allerlei Gerümpel meterhoch auf. Das Ehepaar Peters muss dem Treiben bisher machtlos zusehen.

Ehepaar scheiterte vor Gericht

Am kommenden Montag (19. Juni) haben Ingrid und Heinrich Peters wieder einen Gerichtstermin. Das Amtsgericht verhandelt ihre zivilrechtliche Klage gegen den Nachbarn, den sie zwingen wollen, sein Grundstück frei zu räumen. Mit ihrer Klage gegen die Stadt Münster, die im vergangenen August nach einem bürokratischen Tauziehen 80 Kubikmeter Müll aus dem Garten räumen ließ, ist das Ehepaar bereits im Mai in zwei Instanzen gescheitert: Verwaltungsgericht und Oberverwaltungsgericht urteilten, die Situation auf dem Grundstück gefährde nicht die Sicherheit und Gesundheit der Nachbarn – noch nicht.

Der müllsammelnde Nachbar, der nach der Zwangsräumung seines Abfalls 2016 für einige Wochen in einer psychiatrischen Klinik behandelt wurde, mag das Ehepaar Peters offenbar nicht. Seine lauten Schmähungen, rüden Pöbeleien, bisweilen auch Todesdrohungen schallen über den Gartenzaun, sagt Ingrid Peters. Nach der für ihn siegreichen Entscheidung des Prozesses vor dem Oberverwaltungsgericht sei er auf den gekürzten Stamm eines Baumes auf seinem Grundstück geklettert und habe lauthals die Nachbarn beleidigt. Ingrid Peters hat die Szene mit dem Handy aufgenommen.

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Näherungsverbot als Teilerfolg

Seit dieser Woche hat sie vom Familiengericht wieder per einstweiliger Anordnung Gewaltschutz zuerkannt bekommen. Der Nachbar darf sich ihr nicht nähern. Das galt schon einmal für einige Monate bis in dieses Frühjahr hinein. Den Nachbarn störe das Näherungsverbot wenig. „Er beschimpfte uns weiter“, so Ingrid Peters, viermal zeigte sie ihn daraufhin bei der Polizei an. „Es ist nichts passiert“, sagt die Kinderhauserin.

Sie und ihr Mann sind bisweilen resigniert. Die „vor allem am Abend herumhuschenden Ratten“ auf ihrem Grundstück und der Gestank an warmen Tagen lassen sie weiterkämpfen. Dr. Paul Lodde, einer ihrer Anwälte, hat kein Verständnis dafür, dass die Anzeigen von Ingrid Peters nicht weiterverfolgt wurden und wundert sich über die Rechtsauffassung von Stadt und Verwaltungsgericht. „Es ist eine Auslegungsfrage, wie weit die Freiheit eines Menschen geht, auf dem eigenen Grund Müll zu sammeln“, sagt Lodde.

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Sollten seine Mandanten nun vor dem Amtsgericht Erfolg haben, gäbe es gegen den Nachbarn eine richterliche Anordnung, sein Grundstück vom Müll zu räumen. Sollte er dem nicht nachkommen, könne die Maßnahme erzwungen werden – jedoch müssten dafür die klagenden Nachbarn in Vorleistung treten, so der Rechtsanwalt.

Die Stadtverwaltung wartet unterdessen ab. Alle paar Wochen kommt der Sicherheits- und Ordnungsdienst vorbei und guckt durch das Gartentor des Nachbarn auf dessen Müllgrundstück.

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