Mo., 19.06.2017

Ehefrau ermordet Lebenslange Haft für „hinrichtungsgleich inszenierte Tötung“

Der Angeklagte Golam A. mit den Verteidigern Stefan Kreuels (l.) und Burkhard Benecken.

Der Angeklagte Golam A. mit den Verteidigern Stefan Kreuels (l.) und Burkhard Benecken. Foto: hpe

Münster - 

Acht Monate nach der grausamen Ermordung seiner Ehefrau in Münster ist ein 56-jähriger Mann zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die Richter sind davon überzeugt, dass er die Trennungsabsichten seiner Frau nicht akzeptieren konnte.

Von Helmut P. Etzkorn

Weil seine 46-jährige Ex-Frau den Scheidungsantrag nicht zurücknahm, wurde sie im Oktober 2016 von ihrem früheren Mann Golam A. (56) heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen bestialisch umgebracht.

Das Landgericht Münster verurteilte am Dienstag einen aus Afghanistan stammenden Bauingenieur, der zeitweise in Münster lebte und die deutsche Staatsangehörigkeit hat, wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe. Die besondere Schwere der Schuld, beantragt von der Staatsanwaltschaft, wurde nicht festgestellt. Die Verteidiger kündigten noch im Gerichtssaal an, in Berufung gehen zu wollen.

Die als Nebenklägerin im Auftrag der hinterbliebenen Kinder im Prozess vertretene Rechtsanwältin Julia Artmann-Eichler sprach nach der rund 70-minütigen Urteilsverkündigung von einem „zufriedenstellenden Urteil“. Dennoch bleibe die Trauer der Kinder um ihre geliebte Mutter.

„Hinrichtungsgleich inszenierte Tötung“

Für die 2. Große Strafkammer gibt es keinerlei Zweifel, das es sich bei der Bluttat in einem Mehrfamilienhaus an der Hensenstraße in Gievenbeck um eine „hinrichtungsgleich inszenierte Tötung“ gehandelt habe.

Golam A. konnte es offenbar mit seinem patriachichen Männerweltbild als uneingeschränktes Familienoberhaupt nicht vereinbaren, dass sich seine ebenfalls aus Afghanistan stammende Frau „sehr selbstbewusst und emanzipatorisch“ in Deutschland eingelebt hatte.“ In einem persönlichen Brief warf er ihr 29 Fehlverhalten vor. Darunter auch das Gespräch mit anderen Männern am Arbeitsplatz. Schließlich habe er „allein und abschließend über das Schicksal seine Frau entschieden“, so die Kammer. Golam A. hielt sich wechselweise in Afghanistan und Deutschland auf, seine Frau hatte „große Angst vor ihm“, so die Kammer.

Angriff auf dem Weg zum Kindergarten

Als die Frau einen Enkelsohn aus dem Kindergarten abholen wollte, lauerte er ihr vor der Wohnungstür auf und griff sie unvermittelt an. Mit Pfefferspray setzte er die 46-Jährige außer Gefecht, versetzte ihr kraftvolle Stiche und verstümmelte anschließend das Gesicht der hübschen Frau bis zur Unkenntlichkeit. „Er hat sie depersonalisiert“, so die Vorsitzende Richterin. Nach der Tat ließ sich Golam A. widerstandslos festnehmen.

Für die Richter ist Golam A. uneingeschränkt schuldfähig, auch wenn er manchmal an Depressionen litt.

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