Mo., 19.06.2017

Westfälischer Kammerchor begeisterte mit erlesenem Konzert Humor dank fremder Glocken

Inna Batyuk gab in der Clemenskirche ihr erstes Konzert als Leiterin des Westfälischen Kammerchores.

Inna Batyuk gab in der Clemenskirche ihr erstes Konzert als Leiterin des Westfälischen Kammerchores. Foto: Arndt Zinkant

Münster - 

Der Mörike-Text, den Max Bruch um 1891 vertonte, lautete passend: „Herr, Herr, schicke, was du willst“. Und der Herr schickte Glockenläuten.

Von Arndt Zinkant

Der Mörike-Text, den Max Bruch um 1891 vertonte, lautete passend: „Herr, Herr, schicke, was du willst“. Und der Herr schickte Glockenläuten. Um 17.18 Uhr, just als der Westfälische Kammerchor Bruchs Romantik intonierte, meldeten sich am Sonntag die Glocken der Nachbarschaft zu Wort und erzwangen eine kleine Pause. „Das ist Münster!“, lächelte Inna Batyuk amüsiert. Man könne die Glocken fremder Kirchen natürlich nicht abstellen. Weder die Leiterin noch ihre kleine, feine Sängerschaft ließen sich hier aus der Ruhe bringen. Am Ende applaudierte das Publikum in der Clemenskirche einem innig-erlesenen Chorkonzert.

Inna Batyuk, die die Chorleitung vor zwei Jahren vom langjährigen Leiter Markus Föhrweißer übernahm, hatte ein sehr attraktives Programm ausgesucht – mit geistlichen A-cappella-Stücken aus drei Jahrhunderten: „Zwischen Himmel und Erde“. Dazwischen, so die Dirigentin, liege die Musik als Brücke: so verschieden die Sprachen und Konfessionen, so identisch die Gebete.

Auch die russische Sprache aus ihrer Heimat war einmal vertreten, bei Sergej Rachmaninow, der in seinem ureigenen Idiom eine Lobpreisung der Gottesmutter komponierte (Bogoroditse Devo, raduisya, aus: „Ganznächtliche Vigil“). Bei Tschaikowsky musste indes eine englische Übersetzung herhalten („The Crown of Roses“). Hier wie dort zeigten die Damen und Herren ihr Gespür für subtile Schwelltöne und innige Romantik. Schön!

Der Westfälische Kammerchor Münster hat dies in Hunderten Konzerten bewiesen und blieb auch an diesem Nachmittag seiner Tradition treu. Mag sein, dass Inna Batyuk hier und da noch mehr Feuer und Dynamik fordert, und das ist gut so. Da darf ein einziges Stück (aus Verdis Quattro pezzi sacri) auch mal verschleifen.

Wer aber Rossinis Kyrie aus der „Petite Messe Solennelle“ vernimmt, muss dahinschmelzen. Drei Stücke stammten von Karl Jenkins (Jahrgang 1944), einem Eklektiker wie aus dem Bilderbuch, der von Jazzrock bis zur Messe alles gemacht hat. Sein Concerto grosso für Streicher „Palladio“ untermalte in den 90er Jahren eine Diamantenwerbung. Wie klingt das wohl a cappella? Verblüffend stimmig! Der Applaus nach diesem Finale sprach für sich.



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