Mo., 19.06.2017

Neues Geschäftsfeld für den Energieversorger Stadtwerke wollen Glasfaserkabel ab Herbst verlegen

Sie gehen den Breitbandausbau an (v.l.): Dirk Brameier (1 & 1 Versatel), Dr. Henning Müller-Tengelmann und Dr. Dirk Wernicke (beide Stadtwerke).

Sie gehen den Breitbandausbau an (v.l.): Dirk Brameier (1 & 1 Versatel), Dr. Henning Müller-Tengelmann und Dr. Dirk Wernicke (beide Stadtwerke). Foto: Oliver Werner

Münster - 

Die Stadtwerke Münster wollen ins Internet-Geschäft. Wie? Das erklärten sie bei einem Pressegespräch.

Von Klaus Baumeister

Der kaufmännische Geschäftsführer der Stadtwerke Münster, Dr. Henning Müller-Tengelmann, sprach von einem „komplett neuen Geschäftsfeld, das wir angehen“. Nach Ansicht von Dirk Brameier, technischer Geschäftsführer des Unternehmens 1 & 1 Versatel, übernimmt Münster mit der jetzt beschlossenen Kooperation eine „Vorreiterrolle“. Das Projekt, um das es geht, nennt sich Breitbandausbau, im Volksmund auch „schnelles Internet“ genannt.

Bis zu 500 Megabit pro Sekunde

Also: Ab Herbst möchten die Stadtwerke im Kreuzviertel die ersten Glasfaserkabel verlegen – und zwar bis in die Häuser, um so die Voraussetzungen zu schaffen, dass sich Computer mit 25 bis 500 Megabit pro Sekunde im Internet bewegen können. „Das geht nur mit Glasfaser“, so Dr. Dirk Wernicke, technischer Geschäftsführer der Stadtwerke Münster. Alte Techniken, wie Kupfer- oder Koaxial-Kabel, seien von den jeweiligen Betreibern in den vergangenen Jahren regelrecht „ausgequetscht“ worden, hätten jetzt aber ihre Grenze erreicht.

Da über die Streaming-Dienste immer mehr Filme abgerufen werden, sei ein „ruckelfreies Bild“, so MüllerTengelmann, künftig ohne Glasfaseranschluss kaum noch realisierbar. Nahezu die gesamte Geschäftswelt, aber auch der Privatmann, der seine Urlaubsvideos in einer Cloud ablegen wolle, seien auf schnelle Datenleitungen angewiesen.

Zehn Millionen Euro-Projekt

Zehn Millionen Euro wollen die Stadtwerke im Kreuzviertel und danach auch im Hansaviertel in die Hand nehmen, um flächendeckend Glasfaserleitungen zu verlegen. Diese beiden Quartiere wurden ausgesucht, weil hier die Voraussetzungen besonders günstig sind.

Informationsabende zum Breitbandausbau

Die Stadtwerke Münster starten eine Informationskampagne zum Thema Breitbandausbau. Die erste Veranstaltung am 28. Juni (Mittwoch) richtet sich besonders an Hauseigentümer, Vermieter und Hausverwalter. Der 13. Juli (Donnerstag) hat in erster Linie die Mieterinnen und Mieter im Kreuz- sowie im Hansaviertel, ferner alle am Thema Interessierten im Blick. Beide Veranstaltungen finden statt im Haus der Stadtwerke Münster, Hafenplatz 1, und beginnen jeweils um 18.30 Uhr. Auch im Internet sind ­bereits Infos abgelegt.

muenster-highspeed.de

An vielen Stellen könne man auf bestehende Leerrohre der Stadtwerke zurückgreifen. „In den kleineren Straßen müssen wir aber auch neue Leitungen unter den Bürgersteigen verlegen“, verschwieg Wernicke bei einem Pressegespräch die negativen Aspekte nicht.

Zehn-Prozent-Hürde

Und noch eine Hürde kennt das Projekt: Zehn Prozent der Haushalte im Kreuzviertel und im Hansaviertel müssen bei den Stadtwerken einen entsprechenden Internetvertrag (inklusive Telefon-Flat fürs Festnetz, Fernsehen und Radio optional) abschließen. Stadtwerke-Kunden erhalten fünf Euro Rabatt im Monat.

Die Deutsche Telekom ist vor einigen Jahren mit dem Aufbau eines Glasfasernetzes in Münster gescheitert. Ohne näher darauf einzugehen, zeigten sich Stadtwerke und 1 & 1 Versatel zuversichtlich, es zu schaffen.

Eine entsprechende Resonanz beim Auftakt vorausgesetzt, soll der Ausbau im Stadtbezirk Mitte bis 2023 vorangetrieben werden, der im gesamten Stadtgebiet bis 2030.

Die Stadtwerke und 1 & 1 Versatel sind seit Jahren geschäftlich verbunden, weil 1 & 1 Versatel das Netz der früheren städtischen Citykom übernommen hat.



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