Fr., 30.06.2017

Preußenstadion Wie geht es mit der Suche nach einem Stadion-Standort in Münster weiter?

Das Preußen-Stadion an der Hammer Straße reicht dem Verein wegen seiner begrenzten Kapazitäten längst nicht mehr. Bei der Suche nach einem Alternativstandort scheiden sich aus Kostengründen die politischen Geister.

Das Preußen-Stadion an der Hammer Straße reicht dem Verein wegen seiner begrenzten Kapazitäten längst nicht mehr. Bei der Suche nach einem Alternativstandort scheiden sich aus Kostengründen die politischen Geister. Foto: Uwe Renners

Münster - 

Die ehrgeizigen Pläne der Verantwortlichen des Fußball-Drittligisten Preußen Münster, schon im Jahr 2023 in einem neuen hochmodernen Stadion in Münster spielen zu können, haben einen herben Rückschlag erfahren.

Von Dirk Anger

Nachdem die Stadtverwaltung für die kommende Ratssitzung keinen weiteren Verfahrensvorschlag in Sachen Standort-Suche macht, gehen nicht wenige in Ratskreisen davon aus, dass sich das Thema nun erledigt.

Neue Schätzung der Stadtverwaltung

Nach einer neueren Schätzung der Stadtverwaltung würden sich die Kosten für den Ausbau der Infrastruktur für ein privat finanziertes Stadion je nach Standort zwischen circa 33 und 49 Millionen Euro bewegen. Hinzukäme mutmaßlich ein mindestens zweistelliger Millionen-Betrag für den Grunderwerb.

Die Grünen wollen nicht in ein neues Stadion investieren

„Ich sehe keine Möglichkeit, das zu finanzieren“, stellte Grünen-Fraktionschef Otto Reiners am Donnerstag klar. Demnach sind die Grünen auch gar nicht bereit, Millionen-Summen in die Infrastruktur eines neuen Stadions zu investieren. Das habe man den Preußen-Verantwortlichen  unlängst bei einem Besuch im Stadion an der Hammer Straße deutlich gesagt, so Reiners. Die Stadt habe große Herausforderungen wie etwa die Schaffung bezahlbaren Wohnraums. Lediglich bei einer Weiterentwicklung an der Hammer Straße zeigte sich der Grünen-Vormann gesprächsbereit.

SPD kritisiert neu vorgelegte Zahlen

Dagegen beklagte SPD-Fraktionschef Dr. Michael Jung „das Jonglieren mit Zahlen“. So sollten die Neubau-Pläne der Preußen torpediert werden. „Es wird so getan, als würden wir bis zu 70 Millionen Euro Haushaltsbelastung bekommen“, ereiferte sich Jung über ein Rechenbeispiel, wonach je nach Standort ein solcher Betrag die Stadt durch Infrastruktur und Grundstückserwerb belasten könnte. Dabei hätte die Stadt in diesem Fall ein Grundstück in der Bilanz und bekäme eine Pacht, argumentiert Jung. „Es ist eine bewusste Strategie, die Zahlen hochzurechnen, sodass es unfinanzierbar aussieht.“ Damit solle der Einstieg in eine Diskussion über ein neues Fußballstadion von vornherein verhindert werden, mutmaßt Jung. Die SPD unterstütze die Neubaupläne des Vereins, wenn im Gegenzug die Hammer Straße komplett geräumt würde und für Wohnbebauung genutzt werden könnte. Der Erlös helfe dann bei der Finanzierung der Infrastruktur eines neuen Stadions.

Oberbürgermeister Markus Lewe soll neue Situation bewerten

CDU-Fraktionschef Weber erwartet am kommenden Montag eine Bewertung der Situation durch Oberbürgermeister Markus Lewe. Von der SPD-Kritik an den neu vorgelegten Zahlen der Stadtverwaltung hält Weber nicht viel: „Dann soll man konkret sagen, welche Zahlen nicht stimmen, ansonsten helfen solche Einwände nicht weiter.“ Angesichts der neu vorgelegten Zahlen will die CDU ihre Haltung in der weiteren Standort-Debatte nach ihrer Fraktionssitzung am kommenden Montag öffentlich machen.

FDP will Summe der Umbaumaßnahmen am alten Standort mit Neubau vergleichen

Eine differenzierte Betrachtung in dieser Angelegenheit regt die FDP-Fraktionsvorsitzende Carola Möllemann-Appelhoff an: Sie möchte wissen, wie teuer die Umbaumaßnahmen am alten Standort Hammer Straße für ein 20.000 Zuschauer fassendes Stadion sind und was der Bau eines Bahnhaltepunkts dort kosten würde. Diese Summe soll mit den Kosten für einen Stadionneubau an anderer Stelle verglichen werden. „Ich denke, dann kommen wir zu einer sachgerechten Entscheidung, die die Finanzkraft der Stadt angemessen berücksichtigt.“

Für Montag hat Oberbürgermeister Markus Lewe die Fraktionsspitzen eingeladen, um über den Sachstand aus Verwaltungssicht zu informieren.

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Kommentar: Verfahrene Lage

In Sachen Stadion bahnt sich die nächste Pleite an. Und inzwischen dürfte es auch Oberbürgermeister Markus Lewe dämmern, dass es keine gute Idee gewesen sein dürfte, ungeachtet der Ergebnisse der Vergangenheit in einem Turboverfahren altbekannte und einige neue Standorte auf eine Stadiontauglichkeit zu prüfen.

Plötzlich war die Stadt wieder mit im Boot. Und jetzt legt die Verwaltung dem Rat nicht mal einen Vorschlag für das weitere Verfahren vor. Aus Sicht der Preußen-Fans dürfte die Enttäuschung deshalb groß sein. Schließlich sind – wenn auch ungewollt – mit der städtischen Prüfung wieder Erwartungen geweckt worden, die einmal mehr wie Luftballons zu zerplatzen scheinen.

Dabei darf nicht untergehen: Der Schwarze Peter liegt ursächlich nicht bei der Stadt. Es waren die Preußen, die sich überraschend 2016 von der Hammer Straße abwendeten. In der jetzigen verfahrenen Lage ist nur so viel gewiss: Das betagte Preußen-Stadion ist mindestens mittelfristig kein Auslaufmodell. - Dirk Anger

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