Mo., 17.07.2017

Schnäppchen-Tattoos für Senioren Besucher über 65 lassen sich zum halben Preis tätowieren

Schnäppchen-Tattoos für Senioren : Besucher über 65 lassen sich zum halben Preis tätowieren

Detlef Krane bekommt ein Tattoo von Tanina Palazzolo. Foto: Anne Koslowski

Münster - 

Kurz bevor es los geht, weicht die Aufregung der Freude. Detlef Krane bekommt gleich sein erstes Tattoo. Sein rechter Arm liegt auf der Liege. Mit Filzstift steht auf der Innenseite „Johanna“ geschrieben. Schon in einer halben Stunde wird Krane den Namenszug für immer unter seiner Haut tragen. Es ist der Name seiner Enkeltochter.

Von Christina Schreur

Detlef Krane ist 67 – ein Alter, in dem sich wohl die wenigsten Menschen tätowieren lassen. Der Entschluss zu einem Tattoo fiel bei ihm vor drei Wochen. „Ich hatte es immer schon mal vor“, sagt Krane. Bislang habe ihm aber der Anreiz gefehlt.

Mit der Geburt seiner Enkelin vor vier Monaten  kam   dann dieser Anreiz. Im doppelten Sinne. In der „Tätowiersucht“ im Hansaviertel gibt es gerade ein Angebot: Tattoos zum halben Preis - aber nur für Menschen über 65.

Senioren haben Priorität

Aber das Angebot ist befristet. Denn: Es ist ein Skulptur-Projekt. Der US-amerikanische Künstler Michael Smith hat das kleine Studio der „Tätowiersucht“ auf dem Hansaring in die Skulptur „Not Quite Under_Ground Tattoo Studio“ verwandelt. Es ist nur wenige Meter von dem eigentlichen Tattoostudio entfernt. Dort können sich Besucher der Skulptur-Projekte Kunstwerke von Smith sowie eigene Ideen stechen lassen. Senioren haben dabei Vortritt - ohne Termin, auch sonntags.

„Das Hauptthema dieses Projekts ist Tourismus“, sagt Lisa Isakova, Mitarbeiterin bei den Skultpur-Projekten 2017. Das Tattoo sei ein Souvenir, dass für immer bleibt. Etwa fünf Touristen kommen täglich, um das Angebot wahrzunehmen - darunter viele Senioren.

Neugierige schauen beim Tätowieren zu

Am Tag zuvor hatte Tätowiererin Tanina Palazzolo drei Senioren, erzählt sie. Rekord. Bisher waren es seit Beginn der Kunstaktion einer am Tag. Die Motive unterscheiden sich nicht von denen der jüngeren Tätowierten: Wölfe, Steuerräder, Drachen oder wie bei Krane einen Namenszug. „Wir haben sonst übers Jahr verteilt vielleicht einen Menschen über 65 und jetzt täglich.“

Wer tätowiert wird, wird automatisch selbst zu einem Teil der Skulptur-Projekte: Immer mal wieder kommen Touristen rein und schauen Krane über die Schulter. „Ist das echt?“, wundern sie sich. Auch Anna Vollenweider (57) aus Zürich kommt in das Studio. „Deutschland lohnt sich dieses Jahr, wenn man kunstinteressiert ist“, sagt sie. Sie kommt gerade aus Kassel von der documenta 14.

Die Tattoo-“Skulptur“ hat sie überrascht: „Ich fand diese jetzt sehr lustig - sehr humorvoll das Spiel mit dem Tattoo auf der Haut.“ Für sie komme ein Tattoo allerdings nicht infrage.

Gespannt auf die Reaktion der Kinder

Tanina Palazzolo umwickelt Kranes Arm mit Folie. Nach einer halben Stunde ist der Namenszug fertig. Der 67-Jährige trägt seine Enkeltochter nun für immer unter der Haut. Seine Kindern wissen bis jetzt noch nichts davon. „Darauf bin ich gespannt.“ Er ist aber schon mal zufrieden: „Es passt alles. Es ist alles zu meiner Zufriedenheit gelaufen.“

Ob es das letzte Tattoo sein wird, macht Krane von seinen Kindern abhängig. „Es könnte ja sein, dass da noch ein Enkelkind hinterherkommt.“

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