So., 16.07.2017

Orgel und Harfe Kleine Reise nach Spanien

Tomasz Nowak und Godelieve Schrama  eröffneten die Konzertreihe.

Tomasz Nowak und Godelieve Schrama  eröffneten die Konzertreihe. Foto: Christoph Schulte im Walde

Münster - 

Endlich Sommerferien: Ab in die Sonne, hinaus in die Welt! Wer zu Hause bleibt, kann sich auch in diesem Jahr wieder musikalisch in ferne Regionen begeben. Zum Beispiel nach Spanien. Dorthin führte Harfenistin Godelieve Schrama beim ersten Orgelsommerkonzert mit „Toccata y Fuga“, einem temperamentvollen Werk aus der Feder des Komponisten Joaquin Turina, geprägt von typisch spanischem Kolorit. Von diesem ließ sich denn auch Tomasz Nowak an der Orgel der Ludgeri-Kirche inspirieren zu einer so kunstvollen wie farbenreichen Improvisation über Motive aus Turinas Stück. Und Nowak machte überzeugend deutlich, dass es nicht unbedingt eine große, üppig ausgestattete Orgel sein muss, auf der sich trefflich improvisieren lässt: Ihm genügten die überschaubaren klanglichen Mittel der Ludgeri-Orgel zu einem knackigen Feuerwerk.

Von Chr. Schulte im Walde

Als ideal erwies sich die Ludgeri-Kirche für kammermusikalische Töne, wie Georg Friedrich Händel sie in seinem F-Dur-Konzert Opus 4 Nr. 5 entfaltet. Harfe und Orgel im schönsten Einklang, auch ohne direkten visuellen Kontakt der Künstler untereinander. Bis hinein in kleinste agogische Feinheiten – ein zartes Verzögern hier, ein Vorwärtsdrängen dort – erwiesen sich Schrama und Nowak als perfektes Duo, schön zu hören auch in dem so gut wie nie gespielten Konzert aus der Feder des 1727 in Eisenach geborenen Johann Wilhelm Hertel. Eisenach? Dies der Ort, in dem auch Johann Sebastian Bach ein halbes Jahrhundert zuvor das Licht der Welt erblickte. Hertels Klangsprache wurzelt im Hochbarock, weist aber über dieses hinaus und lässt den „galanten Stil“ spürbar werden – eine durchweg hübsche Musik.

Altmeister Bach kam auch zu Wort mit Präludium und Fuge d-Moll (BWV 539), das im Organistenrepertoire eher ein Schattendasein fristet. Krönender Abschluss des Orgelsommer-Auftakts dann mit Claude Debussys „Danse sacrée et danse profane“. Ein Satzpaar, das die Spannweite jeder Musik charakterisiert: von schwebend und ätherisch („sacrée“) bis erdgebunden rustikal und mit kraftvollem Zugriff („profane“). Das blieb beim Publikum nicht ohne Wirkung, der Applaus war überschwänglich.



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