So., 16.07.2017

Preußen-Stadion „Es gab nie einen Neubau-Verzicht“

In der Westkurve des Preußen-Stadions wächst das Unkraut und bei den Anhängern des Drittligisten der Unmut. Auch Preußen-Präsident Christoph Strässer (r.) und Aufsichtsratschef Frank Westermann halten die Situation für inakzeptabel.

In der Westkurve des Preußen-Stadions wächst das Unkraut und bei den Anhängern des Drittligisten der Unmut. Auch Preußen-Präsident Christoph Strässer (r.) und Aufsichtsratschef Frank Westermann halten die Situation für inakzeptabel. Foto: Oliver Werner

Münster - 

Hätte es die Neubaupläne für ein Stadion nie gegeben, wenn im vergangenen Jahr der Bebauungsplan für den Sportpark Berg Fidel fertig gewesen wäre? Durchaus vorstellbar!

Von Dirk Anger

Intensiv wird in diesen Tagen über Sinn und Notwendigkeit eines neuen Fußballstadions in Münster diskutiert. Der Fußball-Drittligist Preußen Münster möchte bekanntlich, privat finanziert, eine Arena bauen, in der im Endausbau 40 000 Zuschauer Platz finden. Der jetzige Standort an der Hammer Straße sei nicht akzeptabel für eine Weiterentwicklung des Vereins, wiederholen SCP-Präsident Christoph Strässer und die übrigen Entscheidungsträger im Verein quasi gebetsmühlenartig.

"

Jetzt kommt der Herbst 2017, und es gibt immer noch keinen Bebauungsplan

Preußen-Präsident Strässer

"

Möglicherweise wäre es nie ernsthaft zu dieser Standort-Debatte gekommen, wenn der Bebauungsplan für den Sportpark Berg Fidel im vergangenen Jahr unter Dach und Fach gebracht worden wäre, wie es ursprünglich einmal vorgesehen war: Ausbau des städtischen Stadions an der Hammer Straße auf 20 000 Zuschauer, Punkt, Aus, Feierabend!

Unter diesen Umständen hätten wohl auch die im Oktober 2016 neu ans Vereinsruder getretenen Verantwortlichen ihre hochtrabenden Pläne gar nicht ausrollen müssen. „Jetzt kommt der Herbst 2017, und es gibt immer noch keinen Bebauungsplan“, resümiert Präsident Strässer am Freitag in einer Pressekonferenz, in der sich der Verein, wie berichtet, nochmals zu seinen Stadion-Ambitionen und erstmals zu den Kostenschätzungen der Stadt geäußert hat. „Ungewissheiten an jeder Stelle“, fasst Strässer die momentane Lage zusammen.

Re-Live

Unseren Liveticker der Pressekonferenz zu den Stadion-Plänen finden Sie hier.

Deshalb wirbt der Traditionsclub intensiv dafür, dem Preußen-Adler andernorts im Stadtgebiet einen bundesligatauglichen Horst zu bauen. Allerdings sehen große Teile der Politik die millionenschweren Kosten für die Infrastruktur, die die Stadt tragen muss, als K.O.-Kriterium an. „Preußen Münster ist ein Standortfaktor“, begegnet Strässer diesen Kritikern. Und mit Blick auf die Hammer Straße stellt der Preußen-Boss fest: „Diesen Standort gibt es nicht umsonst.“ Sanierung des alten Stadions, Ausbau der Infrastruktur – nach Vereinsangaben kämen dann bis zu 45 Millionen auf die Stadt zu, die Eigentümerin der Immobilie an der Hammer Straße ist. Noch nicht eingerechnet seien dabei die jährlichen Betriebskosten, die im Falle eines privat finanzierten Stadion-Neubaus andernorts nicht von der Stadt getragen werden müssten. „Das ist bislang in keiner Weise berücksichtigt worden“, sagt Preußen-Aufsichtsratsvorsitzender Frank Westermann.

Der Rechtsanwalt wünscht sich in der Diskussion einen „fairen und zielführenden“ Umgang für „unser seriöses Ziel“. Dabei räumt er durchaus ein, dass der Kursschwenk des Vereins von der Hammer Straße hin zu den Neubauplänen „anfangs etwas holprig, unprofessionell“ und auch kommunikativ nicht immer gelungen war. „Es musste schnell gehen“, begründet Westermann. Am Kurs hält der Aufsichtsratschef standhaft fest: „Wir wollen professionelle Strukturen, dazu gehört ein professionelles Stadion.“ Dies sei der letzte Versuch.

Dass sich der Club früher für einen Verbleib an der Hammer Straße ausgesprochen hat, ist für Strässer kein Widerspruch zur jetzigen Strategie: „Es gab nie die Aussage: Wir wollen keinen Neubau“, betont der 68-Jährige und legt nach: „Sie finden nirgendwo einen Verzicht.“ Klar sei nur gewesen, dass die damals diskutierte Alternative Nieberdingstras­se nicht zeitnah zur Verfügung gestanden hätte.

Mehr zum Thema



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5015022?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F