Fr., 21.07.2017

Studierende aus Nicht-EU-Ländern sollen zahlen Studenten gegen Ausländer-Gebühr

Die Ausländische Studierendenvertretung (ASV), hier der Vorstand (v.l.) Sobirjon Ortikov, Kalina Kuncheva, Zidan Zidan, Agnes Brazsil und Ebrahim Al-Fakih, macht sich gegen die Gebührenpläne stark. 

Die Ausländische Studierendenvertretung (ASV), hier der Vorstand (v.l.) Sobirjon Ortikov, Kalina Kuncheva, Zidan Zidan, Agnes Brazsil und Ebrahim Al-Fakih, macht sich gegen die Gebührenpläne stark.  Foto: ASV

Münster - 

Die neue Landesregierung will Studiengebühren für Studierende aus Nicht-EU-Ländern erheben. An den münsterischen Hochschulen regt sich Widerstand.

Von Karin Völker

Zidan Zidan kommt aus Palästina und studiert Pharmazie an der Uni Münster. Der Vorsitzende der Ausländischen Studierendenvertretung (ASV) ist einer von aktuell 2077 Studierenden an der WWU, die aus Ländern außerhalb der EU kommen und damit nach den Plänen der neuen Landesregierung demnächst verpflichtet werden sollen, Studienbeiträge zu zahlen. 1500 Euro soll das Studium für nicht EU-Angehörige an NRW-Unis kosten, 300 Euro davon sollen an die jeweiligen Hochschulen fließen, der Rest in den Wissenschaftshaushalt des Landes.

Studierende untereinander solidarisch

„Das würde die meisten von uns sehr hart treffen“, sagt Zidan, ein großer Teil der Studierenden aus Nicht-EU-Ländern finanziere sich zu einem wesentlichen Teil durch Jobs neben dem Studium: „Ich könnte mir das Studium dann jedenfalls nicht mehr leisten“, ergänzt Zidan.

Die Nicht EU-Ausländer stellen immerhin fünf Prozent der Studierenden der WWU, die meisten kommen aus China (313) und der Türkei (276) und Russland (162) Länder wie Lesotho oder Jamaica sind nur durch jeweils einen Studenten vertreten. An der FH Münster sind rund 500 Nicht-EU-Ausländer unter rund 14 400 Studierenden, die meisten aus asiatischen (196) und afrikanischen Ländern (160). „Sie studieren bei uns vor allem Wirtschaft und Ingenieurwissenschaften, Architektur und Design, erklärt FH-Sprecherin Katharina Kipp.

Das Studierendenparlament der Universität verabschiedete gleich in seiner konstituierenden Sitzung am Montag eine Resolution gegen die Gebühren-Pläne. „Das wäre ein schlechtes Signal“, sagt AStA-Vorsitzende Martha Schuldzynski, „viele Studierenden aus dem Ausland würden gar nicht mehr zu uns kommen“.

Auch FH-Präsidentin ist skeptisch

Diese Gefahr sieht auch die FH-Präsidentin Prof. Ute von Lojewski: „Solche Gebühren sind nicht kompatibel mit unseren auch politisch gewünschten Internationalisierungsbemühungen.“ Sie fürchtet auch einen großen bürokratischen Aufwand bei der Erhebung der Gebühren und der Gewährung von Ausnahmeregeln, die eventuell dazu führen könnten, „dass viel Aufwand für geringe Einnahmen betrieben“ werde, so von Lojewski. Andererseits betont sie aber die unzureichende Grundfinanzierung der Hochschulen in NRW und die Notwendigkeit, die Mittel im Landeshaushalt dafür zu erhöhen. Ein weiteres Argument, dass die Beiträge für Ausländer rechtfertigen könnte: Deutsche Studierende müssten in vielen Ländern Gebühren zahlen, während umgekehrt in Deutschland keine Gebühren für Ausländer erhoben würden.

Das Rektorat der Universität Münster äußert sich noch nicht zu dem Thema: „Wir kennen noch keine Details“, sagt Sprecher Norbert Robers. FH-Präsidentin von Lojewski richtet schließlich noch den Blick auf die finanzielle Situation der ausländischen Studierenden aus Nicht-EU-Ländern. „Wir machen an unserer Hochschule die Erfahrung, dass gerade Nicht-EU-Ausländer häufig auf finanzielle Unterstützung durch unsere Stipendienprogramme angewiesen sind und nicht in der Lage wären, auch noch etwas für ihr Studium zu bezahlen“. Auch das spreche eher gegen die Gebührenpläne.

Mehr zum Thema



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5023963?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F