Di., 01.08.2017

Geplanter Modellversuch Stadt Münster will kostenlos Hanf verteilen

Das Rauschmittel Hanf steht im Mittelpunkt einer Studie, die die Stadt plant.

Das Rauschmittel Hanf steht im Mittelpunkt einer Studie, die die Stadt plant. Foto: dpa

Münster - 

Die Stadt hat nun den Antrag für einen Cannabis-Modellversuch bei der zuständigen Bundesbehörde gestellt. Sollte er genehmigt werden, dann werden per Zufallsprinzip 200 Münsteraner ermittelt, von denen die Hälfte ein Jahr lang kostenlos Cannabis erhält.

Von Martin Kalitschke

Die Stadt plant, für rund 100.000 Euro insgesamt zehn Kilogramm Cannabis zu kaufen und anschließend kostenlos an per Zufallsprinzip ermittelte Münsteraner weiterzugeben. Hintergrund ist nicht etwa ein neues Geschäftsfeld der Verwaltung, sondern eine wissenschaftliche Studie. Die kann allerdings nur durchgeführt werden, wenn das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte seinen Segen erteilt. Den entsprechenden Antrag hat die Stadt jetzt auf den Weg gebracht, bestätigte am Dienstag das Gesundheitsamt.

Staatliche "Cannabisagentur" noch nicht gegründet

Merle Heitkötter, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Gesundheitsamt und für die Studie zuständig, rechnet damit, dass bis zu einer Antwort der Bundesbehörde mehrere Monate vergehen werden. Ob diese positiv ausfällt, sei ungewiss – „Münster ist erst die zweite deutsche Stadt, die eine solche Genehmigung beantragt hat, und Berlin war zuvor mit seinem Antrag gescheitert“, betont sie.

Sollte das Bundesinstitut grünes Licht erteilen, dann muss als nächstes der Rat über die Details der Studie abstimmen. Gibt auch er grünes Licht, folgt die nächste Hürde: Die Stadt möchte das Cannabis über die staatliche „Cannabisagentur“ beziehen – doch die muss erst noch gegründet werden.

Cannabis

Cannabis, Hanf, Gras – hinter den Namen verbirgt sich das gleiche Rauschmittel. In Deutschland sind Besitz und Weitergabe von Cannabis nach wie vor verboten. Dennoch ist es die in der Bundesrepublik am häufigsten konsumierte Droge. Fast jeder fünfte junge Erwachsene zwischen 17 und 25 Jahren, so die Schätzung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, konsumiert mindestens einmal jährlich Cannabis. Kritiker betonen, dass die Droge zahlreiche negative Auswirkungen auf die Gesundheit hat – sie erhöhe das Krebsrisiko, habe Auswirkungen auf die Atemorgane, könne Schizophrenie begünstigen. Studien hätten belegt, dass Cannabiskonsum bei Jugendlichen negative Auswirkungen auf die Hirnentwicklung hat.

200 können mitmachen

Die Detailplanungen des Gesundheitsamtes sind gleichwohl schon weit gediehen. Aus dem Einwohnermelderegister sollen per Zufallsprinzip 2000 Personen zwischen 21 und 63 Jahren ermittelt werden. Diese wird das Gesundheitsamt anschreiben, um 200 Probanden zu gewinnen. Aus ihnen werden zwei Gruppen gebildet. 100 Probanden erhalten kein Cannabis. 100 weitere erhalten ein Jahr lang beim Gesundheitsamt bis zu zwei Gramm Cannabis pro Woche, also insgesamt 100 Gramm per Person – einschließlich „Beipackzettel“. Die Abgabe erfolgt kostenlos, betont Heitkötter – wie bei ganz normalen Medikamentenstudien auch.

Folgen kontrollierter Einnahme erfassen

Bei der Auswahl der Probanden gebe es eine Reihe von Ausschlusskriterien, betont die wissenschaftliche Mitarbeiterin. So sollen keine Personen mit schwerwiegenden körperlichen oder psychischen Erkrankungen teilnehmen. Und wer während der Studie Cannabis weitergibt oder eine Straftat begeht, werde ebenfalls ausgeschlossen. Ziel der Studie sei es, erstmalig die Folgen einer kontrollierten Einnahme von Cannabis zu erfassen, sagt Merle Heitkötter. Sie betont ausdrücklich, dass die Auswertung der Studie „ergebnisoffen“ erfolgen werde.

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