So., 06.08.2017

Zwei Jahrzehnte für zwei Kino-Begeisterte Für das persönliche Kinoerlebnis

Wie die Zeit vergeht: Thomas Behm (l.) und Jens Schneiderheinze haben vor mittlerweile zwei Jahrzehnten das Programmkino Cinema als Geschäftsführer übernommen.

Wie die Zeit vergeht: Thomas Behm (l.) und Jens Schneiderheinze haben vor mittlerweile zwei Jahrzehnten das Programmkino Cinema als Geschäftsführer übernommen. Foto: Gerhard H. Kock

Münster - 

In einer Zeit der Krise haben Thomas Behm und Jens Schneiderheinze, eine Chance bekommen und zugepackt. Mitte der 90er Jahre wurde wie in vielen Städten auch in Münster ein Cineplex geplant und dann gebaut. Den beiden war klar, das wird ein Kinosterben geben. Zum Glück trafen sie Felix (Nomen est omen) Esch. Die drei Filmverrückten lernten einander schätzen, und so durften Schneiderheinze und Behm 1997 die Geschäftsführung des Cinema übernehmen. Das ist heute genau 20 Jahre her.

Von Gerhard H. Kock

Aus einer schwul-lesbischen Filmreihe heraus hatten Behm und Schneiderheinze 1990 in der Achtermannstraße das Cuba-Kino gegründet. 1994 übernahm das Paar die Festivalleitung der Filmzwerge (heute das Filmfestival) im Schlosstheater. So kam der Kontakt zu Esch zustande, dem Betreiber der Münsterschen Filmtheater Betriebe.

Die Blockbuster-Kino-Zentren liefen erfolgreich, doch mit ihnen gab es auch eine gewisse Anonymität. Am 7. August 1997 übernahm die neu gegründete Cinema Filmtheater GmbH das Cinema, baute um und eröffnete 1998 das Café Garbo. Behm: „Unser Glück war, dass wir angefangen haben, als sich die Kinowelt änderte.“ Schneiderheinze: „Den Leuten fehlte das Persönliche, das Verbindliche.“ In Abgrenzung zum Cineplex schufen sie kleine überschaubare Situationen: räumlich und persönlich.

2001 wurde das Cinema vom Staatskulturminister für das beste Filmprogramm im Jahr 2000 ausgezeichnet. Da leuchten die Augen von Thomas Behm noch heute: „Das hat uns mental gutgetan.“ Seitdem ist Münsters Programmkino stets unter den besten fünf Lichtspielhäusern der Republik.

Anfang des Jahrtausend standen aber auch Investitionen und Renovierungen an. 2004 wollten Behm und Schneiderheinze dann von den Münsteranern wissen, ob anspruchsvolle Kinokultur in dem Rahmen gewollt ist – oder eben nicht. Die „Abstimmung durch die Füße“ fiel überwältigend aus. Die beiden machten weiter, bauten um. Aus den Solidaritätskonzerten ist das „4tel-Fest“ hervorgegangen. Seit 2015 engagiert sich das Cinema zudem im „neben*an“, einem offenen kulturellen und sozialen Treffpunkt im Quartier.

Das Cinema befindet sich übrigens seit 1980 im ehemaligen Möbelhaus an der Warendorfer Straße. Heiner Pier übergab es 1990 den Münsterschen Filmtheater Betrieben, die damit alle Kinos der Stadt betrieben. Nächstes Jahr gibt es richtig was zu feiern. Denn 2018 wird das Cinema 50 Jahre, das älteste Programmkino Deutschlands: 1968 wurde es als „Cinema Neuer Krug“ von Heiner Pier an der Weseler Straße gegründet (wo heute der Netto-Markt steht) und im selben Jahr die Kurbelkiste in der Winkelstraße gegründet (heute das „Green Hell“).



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